| Kunstsammlung des Bundes privatisiert | ||||
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Die
Artothek, die Kunstsammlung des Bundes, ist mit Jahresbeginn privatisiert
worden. Die rund 25.000 Werke - sie wurden direkt von lebenden
österreichischen Künstlern angekauft - werden künftig von einem Verein
verwaltet. Mit diesem Schritt reagierte Kunststaatssekretär Franz Morak auf massive Kritik des Rechnungshofes. Seit 1987 hatte der Rechnungshof in mehreren Berichten, der jüngste wurde im Dezember veröffentlicht, gravierende Missstände in der Artothek aufgezeigt. Und eine erkleckliche Anzahl an Werken gilt als unauffindbar. Schlechte Lagerbedingungen Die Sammlung der Artothek könnte sich sehen lassen: Von Attersee bis Zadrazil ist in der Artothek alles vertreten, was Rang und Namen hat. 13,8 Millionen Euro, das sind rund 190 Millionen Schilling, beträgt der Ankaufswert der seit 1945 erworbenen Kunstwerke. Der tatsächliche Wert der Sammlung dürfte ein Vielfaches betragen. 20.000 Kunstwerke sind derzeit verliehen. Sie hängen in Bundes- und Landesdienststellen, in Schulen und Museen. Der Rest - so vorhanden - lagert kostspielig in den konservatorisch völlig ungeeigneten, weil nicht klimatisierten Räumen des Palais Liechtenstein am Wiener Minoritenplatz. 1600 Werke verschollen 1600 Werke sind laut Rechnungshof überhaupt unauffindbar. Anfang 2000 seien erst 10 Prozent der Sammlung korrekt dokumentiert gewesen. "Der Zustand der Archivierung, wie wir ihn angetroffen haben, der war katastrophal", ist Kunststaatssekretär Franz Morak erzürnt. "Und er ist verantwortbar durch die letzten 30, 40 Jahre derjenigen, die dafür verantwortlich waren." Auflösung empfohlen Privatisierung soll die Lösung bringen. Zu Jahresbeginn ist die Artothek ausgegliedert und einem gemeinnützigen Verein übertragen worden: einer bis dahin kaum bekannten "Gesellschaft zur Förderung der Digitalisierung des Kulturguts". Der Rechnungshof hatte allerdings in seinem jüngsten Bericht vorrangig die Auflösung der Artothek und die Übertragung der Bestände an Bundesmuseen empfohlen. Auflösung hieße aber, so Morak, das Kind mit dem Bade ausschütten: "Ich glaube, es ist eine gute Einrichtung, die in der Zwischenzeit nicht nur eine soziale ist, sondern auch eine, die die Bildersammlung des Bundes bereichert. Allerdings, und da können Sie mich beim Wort nehmen, das muss auffindbar sein, das muss katalogisiert sein, und das ganz schnell." Morak-Berater Die Museen hätten die Übernahme der Artothek-Werke abgelehnt. Der nach einer Ausschreibung zum Zug gekommene Verein war, so Morak, sowohl Billigst- als auch Bestbieter, er wurde allerdings erst im Frühjahr 2001 gegründet. Generalsekretär ist der Steuerberater Christian Pultar - er war für Morak bereits als Berater in Sachen Künstler-Sozialversicherung tätig. Der Verein erhält für die Artothek-Verwaltung 109.000 Euro pro Jahr, das bedeutet für den Bund gegenüber den bisherigen Kosten eine jährliche Ersparnis von 114.000 Euro. Pultar rechnet aber mit zusätzlichen Geldern aus dem EU-Beschäftigungsprogramm Equal, und zwar mit 125.000 Euro jährlich. Bilder an Private verleihen? Die Aufgaben des Vereins sind Erfassung, Archivierung und Verleihung der Kunstwerke. Die Bestandsaufnahme soll bis Oktober abgeschlossen sein. Dafür muss der Verein Zutritt und Einsicht in Bundes- und Landesdienststellen erhalten: "Es wird hier auch eine kriminalistische Arbeit notwendig sein. Der Verein wird Zugang haben, dafür bürge ich und wir werden das alles unter Dach und Fach kriegen", verspricht Morak. Für den Ankauf wird weiterhin der Bund zuständig sein. Und Morak kann sich vorstellen, dass Kunstwerke künftig nicht nur an Dienststellen, sondern auch an Private verliehen werden, also vom Staat über privat an privat. Link: Artothek des Bundes | |||
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