| Textarchiv OÖNachrichten | www.nachrichten.at/archiv |
| vom 16.09.2005 - Seite 021
|
| LANDESGALERIE: "Die Ordnung
der Dinge"
Bezaubernde Sachlichkeit VON DIETLIND HEBESTREIT
Objektiv und präzise wollten die Künstler der Neuen Sachlichkeit die Realität wiedergeben. Diese Stilrichtung der 1920er fand auch Vertreter in Oberösterreich, denen die Landesgalerie Linz bis 6. November eine große Ausstellung widmet.
"Nüchternheit und Schärfe des Blicks; Statisch festgefügter Bildaufbau; Blick auf das Alltägliche; Tilgung der Spuren des Malprozesses" - das sind nur einige der Merkmale, mit denen Wieland Schmied neusachliche Kunst charakterisierte. Was in Worten ziemlich langweilig klingt, ist in Wirklichkeit bezaubernd. Mit viel Fingerspitzengefühl gruppierten die Kuratoren Gabriele Spindler und Andreas Strohhammer im Landesmuseum rund hundert Arbeiten von elf Künstlern thematisch.
Gläserne Klarheit
Im ersten Raum empfangen den Besucher romantische Landschaften. Die Bilder wirken trotz Wolkenbergen, Nebelschwaden, und dramatischem Licht nicht kitschig. Auf harte Hell-Dunkel-Kontraste trifft man in einem eigenen Winter-Kabinett. Von Porträts blicken einen Menschen an, die seltsam starr, fast eingefroren wirken. Und doch: Gerade die Emotionslosigkeit, diese gläserne Klarheit, spricht an. Auch bei den Stillleben erscheinen die Gegenstände sonderbar glatt, Dinge des täglichen Lebens wirken gleichzeitig echt und künstlich.
Eine Neupositionierung
Neben den bereits bekannten Vertretern der Neuen Sachlichkeit in Oberösterreich, Franz Sedlacek, Herbert Ploberger und Paul Ikrath, haben die Kuratoren auch Kunstwerke anderer Maler aufgestöbert. Viele dieser Künstler (wie Fritz Fröhlich) sind nur in einer Phase ihres Schaffens der Neuen Sachlichkeit zuzuordnen, manche Bilder (wie die von Robert Angerhofer) wurden in dem Zusammenhang noch nie gezeigt. So soll die Schau zu einer kunsthistorischen Neupositionierung führen. Ein Katalog mit erfreulich verständlichen Texten liegt auf.
www.landesgalerie.at
Sachliche Rarität: Winterbild von Robert Angerhofer Foto: dh |
| © |