Wiener Zeitung · Archiv


Kunstberichte

"Ein Bett ohne Melange, bitte"

Illustration
- Design aus Österreich: das Regal „Crash“.  Foto: das moebel

Design aus Österreich: das Regal „Crash“. Foto: das moebel

Von Julia Urbanek

Aufzählung Vom Möbel-Café zum Design-Shop.

Wien. Geheimtipp ist "das möbel" schon lange keiner mehr. Bereits seit acht Jahren kann man im Café in der Burggasse seine Melange auf, neben und zwischen Designer-Einzelstücken schlürfen. Schräge Bücherregale gibt es hier, gewitzte Lampenschirme, Wohnaccesoires. Und Sitzgelegenheiten, bei denen man sprichwörtlich Angst haben muss, dass sie einem unter dem Allerwertesten weggekauft werden. Denn am gesamten Mobiliar des Cafés hängen Preisschilder – was man benützt, kann auch gekauft werden. Die Konsumenten, Studenten, Bobos und Designfans, kommen also längst nicht mehr nur wegen des Kaffees hierher.

"das möbel" wurde in den vergangenen Jahren zur Plattform für nichtetablierte Jungdesigner, die hier im zwanglosen Rahmen ihre Einzelstücke und kleinen Serien vorstellen können.

Sie testen, wie ihre Designs ankommen oder was die teils recht gewagten Konstruktionen überhaupt aushalten. "das möbel", 1998 vom früheren Musikpädagogen Lothar Trierenberg und zwei Kompagnons gegründet, wurde immer beliebter. So dass man nun auch auslagern musste.

Deshalb jetzt also doch ein Fast-Noch-Geheimtipp: In der Wiener Gumpendorferstraße 11 hat am Montagabend die koffeinfreie Dependance des "möbel" eröffnet: "das möbel – das geschäft". Anders als im Café liegt hier der alleinige Fokus auf den Designstücken: Tische, Regale, Betten, Sessel und geniales Zubehör wie etwa eine Vase zum Beschriften oder eine Garderobe aus überdimensionalen Nägeln sind nun auf 250 Quadratmeter verteilt.

Jetzt ist das Möbelstück König. Keine Mäntel, Handtaschen und Kaffeetassen versperren mehr den Blick. Wie eine Maisonette ist "das geschäft" angelegt – ein Schlafzimmer im Untergeschoß, ein kühles Entree, Küche und Wohnbereich im Hochparterre. Trierenberg, zufrieden mit dem "Meilenstein", erwartet jetzt neue Käuferschichten. Man könne gezielter die Kunden ansprechen, die sich die Stücke leisten können und wollen. Und die Jungdesigner freuen sich, dass ihre Werke nicht nur Nutzobjekte, sondern jetzt auch Ausstellungsstücke sind.

http://www.dasmoebel.at

Dienstag, 21. November 2006


Wiener Zeitung · 1040 Wien, Wiedner Gürtel 10 · Tel. 01/206 99 0 · Mail: online@wienerzeitung.at