Galerien live
Hoppa, hoppa, hoppala!
(cai) Es gibt Kunstwerke, vor denen steht man genauso ratlos herum wie
ein Pinguin vor einer Fischkonserve. Man ahnt zwar instinktiv: Man
müsste noch irgendetwas damit anstellen, um zum Kern der
Sache vorzudringen, aber: was bloß? Das Duo Clegg & Guttmann
verlangt von uns jedenfalls viel persönliches Engagement. Wenn man
freilich die Signale, die diese zum Mitmachen animierenden
Installationen aussenden, falsch deutet, kriegt man im günstigsten Fall
eine Gänsehaut (weil einem halt kalt ist, wenn man nix mehr anhat) und
im schlimmsten Fall ein paar blaue Flecken und eine Gehirnerschütterung.
Verdammt wehtun kann man sich zumindest mit dem Ding, das aussieht
wie eine ganz perfide Vorrichtung für Castingshows. Damit kann man
garantiert herausfinden, wer das ultimative Supertalent ist. Ein
mechanischer Bulle (ein Cowboy-Shaker, hier eher eine kubistische
Skulptur), auf den ein Mikro herabbaumelt. Trällert man da droben ein
Lied, während man sich verzweifelt festklammert, und der Dieter Bohlen
würgt derweil am Schaltpult den Joystick? Oder ist’s eine Allegorie?
(Die bockige moderne Kunst versucht, den arglosen Betrachter
abzuwerfen.) Nein, den Bullen bedient man aus sicherer Entfernung.
Seine Geräusche sollen zum Tanzen anregen. Hä? Also die Variante mit
dem Dieter Bohlen gefällt mir besser.
Die Requisiten für einen speziellen Aufklärungsunterricht für vier gelehrige Nackerpatzln sind auch da. (Das benutzen natürlich professionelle
"Nackteure". Nicht wir.) Drei Staffeleien für drei nudistische Künstler
und ein Podest fürs Aktmodell. Die vier Nackedeis hängen ihre
Extremitäten nun aneinander und behindern sich so gegenseitig in ihren
Bewegungen. Raus kommt: naive Kunst. Oder infantiler Expressionismus?
Jetzt wissen wir, was Gruppendynamik ist. Die Arbeiten haben also nicht
nur großen Unterhaltungswert. Sie sind obendrein pädagogisch wertvoll.
(Teamwork is leiwand!)
Georg Kargl Fine Arts
(Schleifmühlgasse 5)
Clegg & Guttmann
Bis 9. Jänner 2010
Di. – Fr.: 11 – 19 Uhr
Sa.: 11 – 15 Uhr
Blumengießen ist Macht
(cai)Die Porträts von Elfi Semotan haben meist den Charme des
Beiläufigen. (Und wenn die Leute die Kamera nicht anstarren wie einen
Zahnarztbohrer oder wie das Kaninchen die Schlange, ist das schon
einmal ein gutes Zeichen.) Immer wieder lassen sich Prominente in
flagranti bei Tätigkeiten erwischen, zu denen wohl nur Menschen mit
besonders kreativen Bedürfnissen (Künstler) fähig sind. Der Lois
Weinberger zum Beispiel gießt mit seinem Gartenschlauch ungeniert das
Unkraut auf einem Gleis. ("Gießen" ist übrigens kein Euphemismus für
"Wasser lassen". Ein Gartenschlauch ist manchmal einfach ein
Gartenschlauch.) Mit erstaunlicher Beharrlichkeit hat Elfi Semotan ihre
Künstler "gesammelt". Dabei sind die Porträts ohne Gesicht (die Atelierfotos) fast intimer als die mit .
Ein paar pittoreske Kleckser auf dem Boden und man ist im Bilde: Aha,
da hat der Franz West wild herumgegipst wie ein Spitalsarzt in einem
Wintersportgebiet während der Hochsaison der Knochenbrüche.
Gabriele Senn Galerie
(Schleifmühlgasse 1)
Elfie Semotan
Bis 19. Dezember
Di. – Fr.: 11 – 18 Uhr
Sa.: 11 – 15 Uhr
Die Langeweile ist kariert
(cai)Bunte Kastlmalerei halt. Karierte Bildln. Angeblich musikalisch. (Wegen der Farb töne .)
Gut, der Ausstellungstitel ist raffiniert: "I Remember Clifford,
still." Da erinnert sich also einer an Clifford ("noch immer"), den
Jazztrompeter (Nachname: Brown), dem jemand das Stück "I Remember
Clifford" gewidmet hat. Und an Clyfford Still, den abstrakten
Expressionisten. Jazzig sind Stanley Whitneys ziemlich banale Bilder
trotzdem nicht. Und wenn im Museum ein Sofa einem Bild gegenübersteht, ist das das Zeichen für "Meisterwerk zum Anschmachten". Hier wirken die Bänke eher ironisch.
Galerie König
(Schleifmühlgasse 1)
Stanley Whitney
Bis 19. Dezember
Di. – Fr.: 11 – 19 Uhr
Sa.: 11 – 15 Uhr
Printausgabe vom Mittwoch, 02. Dezember 2009
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