Das Museum Moderner Kunst Kärnten zeigt zeitgenössische Fotografien mit österreichischem Fokus
Von Leuchtkäse und Faltdenkmälern
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Die Fotografien von Gernot Fischer-Kondratovitchs – wie etwa in "Rumba
Planchao" (2009) – zeigen deutlich seine Auseinandersetzung mit
internationalen Machtstrukturen. Foto: MMKK/Bäckerstraße 4
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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Gute Nachrichten aus Klagenfurt: Eine künstlerische Melange überzeugt,
nämlich die von Silvie Aigner kuratierte Schau "Zeitgenössische
Fotografie, Neue Positionen aus Österreich" im Museum Moderner Kunst
Kärnten (MMKK). Gemischt sind hier nicht nur die letzten zwei
Generationen arrivierter und junger Fotokünstler, sondern mutig
ästhetische Kategorien. Die Themengruppen beweisen, dass die digitale
Fotografie, trotz brüchigem Wirklichkeitssinn, eine Vitalisierung der
anderen künstlerischen Medien bewirkt.
Die belebende Auswahl zeigt vielfältige Medienüberschreitung,
Techniken und Inhalte. Als Auftakt ist ein sozialkritisches Konzept mit
Panoramafotos von Lukas Maximilian Hüller in Zusammenarbeit mit einem
Township-College in Johannesburg entstanden. Sklaverei und Bootsflucht,
in theatralischen Posen mit Rotationskamera festgehalten, werden zum
Appell für mehr Menschenrechte. Das Ende der Schau ist kulinarisch:
Theres Cassini entfaltet alle Sinne mittels fotografierter Esskunst.
Durch Leuchtkästen kann man "Schmecken sehen", Personen sind in
"Schleck Shots" festgehalten, und das Geschirr wird mit leuchtend
farbigen Molekularspeisen als "Left Overs" präsentiert.
Hybride Fotokunst und Ganzkörperporträts
Dazwischen wird Urbanität, von Hubert Blanz, Clemens Fürtler und
Michael Inmann untersucht. Täuschung ist dabei das Thema von Martin
Bilinovac, die Kulisse bei Arnold Pöschl. Fürtlers "Bildmaschine 2"
fungiert als Hybrid zwischen Archiskulptur und Fotografie. Blanz legt
sich per geotechnischem Computerprogramm vogelperspektivisch ein
Raumornament von Flug-Rollfeldern zu Füßen. Inmann täuscht mittels
Unschärfe und Schwarzweiß-Ästhetik einen Playmobil-Charakter von
Hochhäusern vor. Bausünden verlieren unter Musterwolkenstimmung ihren
Schrecken.
Gisela Erlachers geflieste und karge Anhaltelager-Zellen lassen
sachlich frieren. Das Migrationsthema erweitert auch die nächtlichen
Inszenierungen von Borjana Ventzislavova oder Katharina Gruzeis Serie
"Working in Los Angeles" um einen sozialkritischen Aspekt. Einen
anderen – nämlich den befremdlichen Umgang mit der Natur – haben sich
Jutta Strohmaier, Markus Guschelbauer und Gerd Hasler vorgenommen;
Fragmente mutieren zu abstrakt-malerischen Tafeln.
Wärme und Ironie kann bei Robert F. Hammerstiel eingefangen werden –
sein Video-Kaminfeuer und der verfremdete Weihnachtsbaum "Über allen
Wipfeln ist Ruh" verweigern uns das Kuschelbedürfnis gänzlich.
Das Ausleuchten performativer Körperpositionen ist nach wie vor
relevant: Ob es sich um subtile Zwischentöne zu Tanz und Musik bei Nina
Rike Springer, Johannes Puch und Anja Manfredi handelt oder um das
Lesen in den Machtstrukturen des Alltags (Gernot Fischer-Kondratovitch
oder Birgit Graschopf). Damit die Erinnerung an das bewegte Original
nicht nur als "geronnener Moment" (Vilém Flusser) Foto wird, faltet
Caroline Heider ihre Ganzkörperporträts zu hybriden Denkmälern.
Ausstellung
Zeitgenössische Fotografie – Neue Positionen aus Österreich
Silvie Aigner (Kuratorin)
Museum Moderner Kunst Kärnten
http://www.mmkk.at
bis 31. Jänner
Printausgabe vom Freitag, 08. Jänner 2010
Online seit: Donnerstag, 07. Jänner 2010 16:46:12
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