



Rhythmus und Ästhethik der Präsentation: "Kultur und Freizeit" von Andreas Fogarasi (2006).

Wien - Die Stadt des Lichts und auch die City of Magic hat Andreas Fogarasi unter der Treppe versteckt. Quasi. Denn vielmehr hat er Schilder mit solch klingenden Städtebeinamen dorthin verräumt; hat sie ins dunkle Abseits geschoben. Ein eher beiläufiger Kommentar zu den hochtrabenden Beinamen, die sich so manch urbane Ansiedlung verordnet. Und man weiß: Nicht selten entpuppt sich der versprochene "Zauber" als ein in der Mitte von Nirgendwo befindliches Nichts.
Den 33-jährigen Künstler interessiert aber weniger der Wahrheitsgehalt solcher "City-Brandings" als der Umstand, sich ein kollektives, ökonomisch verwertbares Image zu geben und sich demgemäß zu inszenieren: Das Phänomen des Public Branding dokumentiert er in zwei Videos, die Städte- und Regionenlogos auf eine schwarz-weiße Silhouette reduzieren. Deren Monitore, fix an Metallseilen im Raum verspannt, verweisen auf die Professionalität von Messepräsentationen und knüpfen damit an frühere Arbeiten Fogarasis zu Formen der Repräsentation an.
Georgetown titelt die Ausstellung in der Galerie Georg Kargl, was ebenso zwei Städte in Georgia meint wie - dank erfolgreicher Kolonialisierung unter George I. - allein in den USA 28 weitere. Und Georgetown - die Ausstellung - empfängt den Besucher mit der Leuchtdioden-Ansage Sport und Technologie. Die ist so auf drei Platten aufgeteilt, dass man nicht umhin kommt, "und Techno" zu lesen. Man liest es immer wieder, denn die Verwechslung erfreut. Zwar verweist Fogarasi auf Repräsentationsmodi und betont den Kontrast der Materialien - das strahlende Weiß der Schrift und das matte Grau des Alus -, die spielerische Note bleibt jedoch nicht verborgen. Nicht nur dort.
Auch in den Miniatursymbolen moderner Architektur, die Fogarasi aus Stadtplänen von Paris, Barcelona oder Boston ausgeschnitten hat, zeigt sich ein spielerischer Zug. Welches moderne Bauwerk des 20. Jahrhunderts schafft es, derart ikonisiert zu werden, fragt Fogarasi und hebt die kaum fingernagelgroßen, isolierten Abbildungen mit riesigen Rahmen ebenso in den Stand einer Ikone. Anderswo fragt Fogarasi: verunglückter Paravent oder Marmorskulptur? Insgesamt ein präzises, intelligentes Spiel mit Material und Form. (Anne Katrin Feßler / DER STANDARD, Printausgabe, 4.11.2010)
Bis 6. 11., Galerie Georg Kargl, Schleifmühlgasse, 1040 Wien
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