Rezeption ist Arbeit


Bazon Brock, deutscher Kulturtheoretiker und Altmeister der Kunstvermittlung, forderte 1990 in einem Interview das Kunstpublikum auf, "sich selber endlich ernst zu nehmen, sich selbst nicht als Unterhaltungspublikum zu verstehen, das sich von den Künstlern mit Kuchen und von den Vermittlern als Oberkellnern verwöhnen lässt". Rezeption ist Arbeit, hielt er fest.

Lesestoff

Wer für diese Arbeit nicht ausgebildet ist, kann Nachhilfe gebrauchen. Fast schon klassisch auf dem Zeitschriftensektor - im 10. Jahr ihres Erscheinens - sind die Kölner "Texte zur Kunst". In handlicher, broschierter Buchform finden sich Interviews, Analysen, Rezensionen. Es dauert zwar einige Hefte, bis man sich an die Sprache und Begriffe gewöhnt hat, dafür ist man dann ziemlich weit vorne dabei in der kunsttheoretischen Diskussion. Die den Texten beigegebenen Bilder sind durchwegs im puritanischen Schwarz-Weiß. Es geht eben um Texte. Lediglich Inserate dürfen farbig sein und die geben dann einen guten Überblick über das aktuelle Ausstellungsgeschehen. Im neuesten Heft steht das Thema "Performance" im Mittelpunkt.

Wichtigstes österreichisches Medium auf dem Printsektor ist die springerin. Vier aufwendig gestaltete Hefte pro Jahr geben Einblick in Kritik, Theorie und Geschichte zeitgenössischer Kunstproduktion. Um einiges sinnlicher als die "Texte zur Kunst" und stets in sehenswertem Layout.

Dezidiert visuellen Phänomenen widmet sich die virtuelle Zeitung blitzreview. Hier steht auch die praktische Volltextsuche zur Verfügung.

Diskussionsorte

Seit seiner Gründung im Jahr 1994 durch Stella Rollig hat sich das Depot im Wiener Museumsquartier als Diskussionsforum zur Kunst der Gegenwart etabliert. Schwerpunkte sind die gesellschaftliche Relevanz, Autonomie und Kontextualität von Kunst. Die Palette der Veranstaltungen reicht von Einzelvorträgen und Vortragsreihen über Podiumsdiskussionen und Buchpräsentationen bis zu Seminaren und Workshops. Fallweise finden Besprechungen von laufenden Ausstellungen statt. Eine ständig aktualisierte Bibliothek bietet in Freihandaufstellung über 2.500 Bücher, Zeitschriften und Videos. Die Rezensionszeitschrift "Neu im Depot" informiert über Neuerwerbungen.

Relativ bescheiden und vor allem schwer zu erfassen ist das Programm für Kunsttheorie-Freaks in den Bundesländern. Dort muss man sich schon mit den Kunstuniversitäten und Kunstgeschichte-Instituten (Graz, Innsbruck, Salzburg) in Verbindung setzen, um zu erfahren, wo gerade öffentliche Veranstaltungen geplant sind.

Man kann die Sache natürlich auch ganz gründlich angehen und die Rezeptionsarbeit zum Beruf machen, d.h. Kunstkurator und Kunstvermittler werden. Das Institut für Kulturwissenschaft bietet viersemestrige Kuratorenlehrgänge für das Museums- und Ausstellungswesen an.

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