174--Szenen einer Theorie
Der kleine Ort ist
schon Legende: Das "Depot" in Wien gilt als der Versuch, das Theorieinteresse
der Kunst auf ein solides Fundament zu stellen. Die neuesten Bücher, Magazine
und drei Internetzugänge stehen zur Verfügung. Klingende Namen geben sich ein
dauerndes Stelldichein. Anfang Dezember kommen z.B. Fredric R. Jameson und
Beatriz Colomina, und auch sie werden versuchen, die Dinge und die stumme Kunst
zum Reden zu bringen. Wer über das viele Reden dann die Kunst vergisst, ist
jedenfalls in guter Gesellschaft.
Die Rückkopplung an Praxis ist jedoch in Sicht. Eine kleine Ausstellung versucht dort zur Zeit, Theorie als eine ebenfalls lustvoller Praxis wieder zu dekonstruieren. Konkret geht es um Kunstobjekte und Filmtheorie - oder besser: es geht um deren Abbildungen. So stehen dann "Theoriestills" neben Filmstills und erzählen zusammen Geschichten: von der Metapher des Screens, vom filmischen Apparat im Museum, oder z.B. von jenem Inspektor in Alfred Hitchcocks Film Suspicion, der seinen Blick nicht mehr von einem Bild abwenden konnte, so dass schier der Film nicht mehr weiterging.
Als praktizierte Medientheorie kommt das Arrangement auf sieben hängenden Plexiglasscheiben ziemlich nostalgisch daher. Natürlich waere es schicker gewesen, die ganze Sache als CD-ROM oder mit dem entsprechenden Screen-Design zu realisieren (letztlich geht es ja darum, die Benutzeroberfläche neu zu denken). Aber andererseits kann man sich auch vorstellen, daß der pastose Farbauftrag auf den Rückseiten der Theorie- und Bildbruchstücke - exzessiv per Finger unvergleichlich lustvoll war.
| VH. Weh |
Daten: Szenen einer Theorie. Das Kunstwerk als Agent filmischer
Diskurse. Ein Projekt von Ruth Noack und Roger M. Buergel. Depot Kunst und
Diskussion. Messepalast, A-1070 Wien. Mo-Fr 14-19 Uhr. bis 30. November 1995
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