| Ein sensibler Berserker | |
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Über das wahre Ausmaß der Arbeiten von Alfred Hrdlicka wagen selbst Kenner seines Werks nicht einmal geschätzte Zahlen abzugeben. |
Alfred Hrdlicka ist eine Ausstellung
gewidmet, die das Kunsthistorische Museum gemeinsam mit der Galerie
Hilger vom 15. Jänner bis 28. Februar im Palais Harrach
präsentiert. Die Exponate, der von Peter Baum kuratierten Schau, stammen aus
österreichischen Privatsammlungen, allen voran aus der Sammlung Hilger
selbst. Sie kommen aber auch von Peter Infeld, Heinrich Keller oder Hannes
Androsch. Keine Retrospektive
Den Anspruch einer Retrospektive will diese etwas andere Hrdlicka-Schau
nicht einlösen. Peter Baum hat mit seiner Auswahl von rund 120 Werken -
aus rund 450 zur Verfügung stehenden Arbeiten - bewusst nicht auf Breiten-
, sondern auf Tiefenwirkung gesetzt. Und er hat darauf verzichtet, die
Prunksäle des Palais Harrach voll zu pflastern. Da kann es schon vorkommen, dass nur zwei Skulpturen in einem Saal
aufgestellt wurden, bei Verzicht auf Hängung an den Wänden. So haben zum
Beispiel die beiden Figuren der "Boxer" auch genügend Raum haben, um voll
zu "explodieren". Das Bersten in den Arbeiten des sensiblen Berserkers
Hrdlicka konnte der Kurator mit seiner rigiden Sparsamkeit voll
betonen. "Titan der bildenden Kunst" Einen "Titan der bildenden Kunst, der die orthodoxen Disziplinen
perfekt beherrscht" nannte Baum am Montag den 73-jährigen Künstler, dem es
sein Gesundheitszustand nicht erlaubt hat, selbst zur Medienpräsentation
der Schau zu kommen. Mit seinem "expressionistischen Universalismus" sei
Hrdlicka ein "Unikat in der europäischen Kunstszene", das er - so bekannte
Baum - , lange nicht entsprechend wahrgenommen und geschätzt habe. Alfred Hrdlicka, der bei Fritz Wotruba an der Akademie der bildenden
Künste Bildhauerei und bei Albert Paris Gütersloh Malerei studierte, hat
von Beginn an Gegenposition zur abstrakten Kunst bezogen. Er blieb stets
der Figur verbunden und war "nie ein wendiger, trendorientierter
Künstler", so Baum. Wiederbegegnung mit Zyklen Die Ausstellung im Palais Harrach bringt eine Wiederbegegnung mit den
großen Themen des zyklisch arbeitenden Künstlers: seinen Zeichnungen und
Radierungen zur französischen Revolution, den Arbeiten zu Pasolini sowie
den Schubert-Zyklus. Die auf 1.300 Quadratmetern vergleichsweise schmale
Auswahl aus einem gewaltigen Oeuvre, führt fast wie mit einem Paukenschlag
einen großen Meister der "orthodoxen" Künste der Bildhauerei und der
Zeichnung vor Augen. Über Koketterie erhaben Hrdlicka ist ein Zeichner (und Radierer), der die Technik so souverän
beherrscht, dass er über jedes Kokettieren mit der eigenen Virtuosität
erhaben ist. Der Rundgang durch die Schau ist einer durch die Passion des
verletzten, gequälten, verfolgten Menschen, des malträtierten Fleisches.
Daher verwundert es nicht weiter, dass der bekennende Kommunist Hrdlicka
eine der packendsten Kreuzigungs-Darstellungen des 20. Jahrhunderts in
Stein geschlagen hat. Von seinen Skulptur-Arbeiten werden überwiegend
Bronzegüsse präsentiert. Streitbarer Linker Als "Realist" dürfte Hrdlicka ganzen Zeitgeist-Generationen nicht auf
der Höhe desselben gestanden haben. Auch wenn der Künstler seit den 60er
Jahren bei jeder internationalen Grafikbiennale Preise eingeheimst hat.
Als streitbarer Linker, urwienerischer Diskutant - bei Talkshows
gleichermaßen gesucht wie gefürchtet - stellt er in seiner Heimat einen
nur noch mit Thomas Bernhard vergleichbaren Paradefall von Hassliebe
dar. Tipp "Alfred Hrdlicka. Eine Sammlung kuratiert von Peter Baum", Ausstellung
des Kunsthistorischen Museums mit der Galerie Hilger, Palais Harrach, vom
15. Jänner bis 28. Februar. | ||||