26.02.2003 09:46
"Depot" zittert um Zukunft
Bis
Ende März wird entschieden, ob das Veranstaltungslokal in der Breite Gasse
gekündigt wird
Wien - Nach neun Jahren, 814 Veranstaltungen und 2.033
Vortragenden droht am kommenden Freitag der Schlussvorhang über den Wiener
Kunst-Diskurs-Raum "Depot" zu fallen. "Wir beenden damit unser Programm",
bestätigt "Depot"-Obfrau Eva Blimlinger im Gespräch mit der APA, "Das Lokal
können wir noch bis Ende März halten, dann müssen wir entscheiden, ob wir es
kündigen oder nicht." Zuletzt bestritten befreundete Institutionen kostenlose
Solidaritätsveranstaltungen. "Es gäbe auch weiterhin genügend Institutionen, die
uns mit ihrer Solidarität unterstützen", heißt es aus dem "Depot", "aber
irgendwann ist einfach Schluss mit Traurig."
Sowohl beim Bund, wo man ein
nachgebessertes Subventionsansuchen einreichen musste, als auch bei der Stadt
Wien sei noch keine definitive Entscheidung über eine Weiterfinanzierung des
1994 von der damaligen Bundes-Kunstkuratorin Stella Rollig gegründeten "Depot"
gefallen, doch die Zeit laufe ab. "Wir hoffen noch immer", sagt Blimlinger,
"aber auf Prognosen lassen wir uns nicht ein."
"Es war immer als
Bundesprojekt angelegt", betont Saskia Schwaiger, die Sprecherin des Wiener
Kulturstadtrats Andreas Mailath-Pokorny (S). Bereits im Vorjahr sei man für
ausgebliebene Bundes-Gelder eingesprungen. Dazu sei man sowohl aus finanziellen
wie aus grundsätzlichen Erwägungen derzeit nicht mehr in der Lage. Unbestritten
sei jedoch, dass es sich beim "Depot" um einen interessanten Veranstaltungsort
handle.
Letzte Veranstaltungen
Die (möglicherweise) letzten
Veranstaltungen in den Räumlichkeiten in der Breite Gasse 3 bestreiten am
Dienstag Sixpack Film, am Mittwoch "profil", am Donnerstag das Erste Wiener
Lesetheater (Beginn jeweils 19 Uhr), ehe am Freitag (28.2.) die Viennale zur 45.
Solidaritätsveranstaltung lädt. Angekündigt ist ein "furioses Überraschungspaket
aus Filmen, Gästen und höllischen Kostbarkeiten". "Wir werden mit einer
Veranstaltung aufwarten, die dem Depot alle Ehre erweist", wird
Viennale-Direktor Hans Hurch in der Ankündigung zitiert.
"Depot"-Leiter
(und ORF-Stiftungsrat) Wolfgang Zinggl steht mit seinem Team derzeit nur in
telefonischem Kontakt. Er befindet sich nach einem Schädelbruch mit
Gehirnblutung, den er sich kürzlich bei einem schweren Sturz auf dem
zugefrorenen Neusiedler See zugezogen hat, in Spitalsbehandlung. Der Zustand des
bereits von Eisenstadt nach Wien Transferierten wird als stabil
beschrieben.
(APA)