"Waldners Rücktritt wäre eine gute Lösung"

Völlige "Kommunikations-
verweigerung" beklagt, Trennung von Facility- und Kulturmanagement gefordert.


Von völliger "Kommunikationsverweigerung" der MQ Errichtungs- und Betriebsgesellschaft berichteten am Freitag neun Nutzer des Museumsquartiers bei einem Pressegespräch. Wolfgang Wais, Geschäftsführer der Wiener Festwochen, forderte den Rücktritt von Wolfgang Waldner, dem Geschäftsführer der MQ-Betriebsgesellschaft, und sprach ihm sein "allfälliges Misstrauen" aus.

Zentrale Forderung der Nutzer ist die Trennung von Facility- und Kulturmanagement. Als Betreiber des MQs könne die Gesellschaft nicht zugleich als Kulturanbieter im "quartier21" agieren.

"Verfahren anhängig"

Es gäbe nur mehr zwei Möglichkeiten: "Entweder man siedelt die Nutzer ab, oder man schafft es, eine neue Geschäftsführung einzusetzen. In den verschiedensten Bereichen, zum Beispiel Mängelverwaltung, Betriebskosten, sind zum Teil schon Verfahren anhängig, das wird das Gericht klären müssen. In den anderen Bereichen ist einfach Selbsthilfe angesagt."



Wolfgang Wais, Geschäftsführer der Wiener Festwochen

MUMOK-Leiter Edelbert Köb forderte eine Ausrichtung des Marketings auf die Institutionen und ihre Inhalte statt auf die Dachorganisation. Der "Unkostenbeitrag" von insgesamt 60.000 Euro (so die Berechnung der Nutzer) jährlich für die Benützung der Schaukästen und Folder-Dispenser, die die Gesellschaft seit 1. April einfordert, sei laut Wais überteuert und diene zur Querfinanzierung für eigene Veranstaltung der Betreiber. Am freien Markt betrage der Preis für ein derartiges Service 15.000 Euro.



Elisabeth Menasse-Wiesbauer, Leiterin des ZOOM-Kindermuseums

Noch während der laufenden Pressekonferenz reagierte die Betreibergesellschaft mit einer Stellungnahme. Darin werden unter anderem offene Rechnungen für Energie- und Betriebskosten moniert. Von "falschen, nicht verplombten Zählern" und nicht abgeschlossenen Verträgen sprach dagegen Dietmar Steiner, Leiter des Architekturzentrums Wien.

Um Termin bei Gehrer angesucht

Die vertretenen Nutzer des MQs fühlen sich durch die Betriebsgesellschaft konsequent boykottiert. Man habe versucht, einen Termin bei der für die Museen zuständigen Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) zu bekommen. Diese habe jedoch gemeint, es sei alles in Ordnung, die Zeitungen schrieben doch nur das Beste, hieß es. Die seit einem Jahr installierte Plattform der Direktorenkonferenz arbeite zwar produktiv, am Ende entscheide aber immer Waldner alleine, konstatierte Wais. Daher reagiere man nun mit konkreten Maßnahmen.

Als "mobiles Leitsystem" sollen junge Menschen in blauen Info-Leiberln den Besuchern dienen, die "orientierungslos durch das Areal irren." Denn Bettina Leidl, Geschäftsführerin der Kunsthalle Wien, meint: "Die Besucher finden uns nicht." Die "basis wien" informiere inzwischen über die Aktivitäten aller Häuser im Museumsquartier, da der zentrale Inforaum von MQ stillgelegt worden sei.

"Häuser sichtbar machen"

Tanzquartier-Intendantin Sigrid Gareis berichtete von den gestern aufgestellten Stelen an der 2er-Linie, eine "temporäre Maßnahme, um die künstlerischen Inhalte der Häuser endlich auch außerhalb der Festungsmauern sichtbar zu machen." Den von Waldner angekündigten Wettbewerb zur "Außenwirkung des MQ" habe die Direktorenkonferenz bereits im Juli vergangenen Jahres vorgeschlagen. "Ich erwarte, dass wir noch drei Jahre mit unserem Provisorium auskommen müssen."

Problematisch sei auch das vom MQ angebotene Ticketing-System, findet Ela Monaco (Geschäftsführerin der Veranstaltungshalle/Halle E + G). Keine Abrechnung stimme und es gäbe keinen Online-Zugang. Seit April arbeite man daher im Foyer der Halle E + G mit einem eigenen System.

"Die Willkür bestimmt"

Eine Zusammenarbeit scheint den Nutzern, trotz gegenteiligen Aussagen in der Aussendung der MQ-Betriebsgesellschaft (wo u. a. die lange geforderte Bespielung der Hofflächen durch die Nutzer als "unentgeltlich" und "fast ausnahmslos bewilligt" abgeschwächt wurde), derzeit verunmöglicht. Wais: "Hier legt Herr Waldner die Procedere fest, die Willkür bestimmt. In seiner Jubelpressekonferenz zu zwei Jahren MQ klingt er wie die SED kurz vor dem Mauerfall. Waldners Rücktritt wäre sicher eine sehr gute Lösung."

"MQ E+B Gesellschaft" zu Nutzer-Vorwürfen

Die "MQ E+B Gesellschaft" hat in einer Aussendung zu den Vorwürfen einiger Nutzer Stellung genommen. In der in 13 Punkte gegliederten Meldung wird u. a. betont, dass es sich nicht um rund ein Dutzend Nutzer, "sondern v. a. um Kunsthalle Wien, Halle E+G und Az W handelt, die als einzige von 45 Kulturmietern im MQ keinen direkten Vertrag mit der MQ Gesellschaft haben, seit Jahren die Arbeit der Gesellschaft behindern und für deren Mietbereich durch Nichtbezahlung von Baukosten, Energiekosten, Wartungskosten und Betriebskosten insgesamt bisher Euro 3 Mio. an offenen Forderungen entstanden sind."

MUMOK und Leopold Museum hätten sich schon von der Initiative der Nutzer distanziert. Zu den Vorwürfen der Werbe-Bespielung in Eigensache heißt es: "Die Entscheidung, nicht die einzelnen Institutionen, sondern den Standort/das Kulturviertel durch die E+B zu bewerben, war der ausdrückliche Wunsch der einzelnen Häuser im MQ, die alle ihr eigenes Marketing betreiben."

Keine Beschränkung der Hofbespielung

Weiters gäbe es keine Beschränkung der Hofbespielung, "die bisher eingelangten Veranstaltungswünsche der Institutionen im MQ wurden fast ausnahmslos bewilligt."

Das Gewährleistungs- und Mängelmanagement der Museumsquartier-Errichtungsgesellschaft sei "ausgezeichnet organisiert", Beschwerden kämen lediglich von jenen Nutzern, die "für die zitierten Außenstände von Euro 3 Mio. verantwortlich sind", so die MQ-Aussendung.

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