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| 04.11.2004 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Kunstmarkt: "Kraut Art" und Vorschusslorbeeren | ||
| VON JOHANNA DI BLASI | ||
| Die Rückkehr wichtiger Galerien, darunter viele aus Wien, machten die 38. Art Cologne zum Erfolg. | ||
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Auf der "Art Cologne", die am Montag zu Ende ging, brummte es in diesem Jahr - und niemand wusste so recht warum. Allein die Vernissage wurde mit 16.000 Besuchern zum rauschenden Fest. Kunstfieber herrschte auch außerhalb: Dutzende Galerien eröffneten parallel zur Messe neue Ausstellungen. Zwei weitere Kunstmessen - die neue "rheinschau" (die "Presse" berichtete) und die "art.fair" für Kunst bis 5000 Euro - zeugten von der erstarkten Vitalität der alten Kunstmetropole. Gar einen "Aufmarsch der Heroen" - internationale Sammler und Museumsleute - hat der Berliner Händler Michael Schultz bei der "Mutter aller Kunstmessen" beobachtet. Die 1967 gegründete "Art Cologne" hatte zuletzt als blass und sogar regional gegolten. Schultz teilte sich einen Stand mit der renommierten
Galerie Pace Wildenstein. Die Rückkehr des New Yorker Unternehmens wurde
in Köln wie ein Treffer in der Lotterie gefeiert. Daran ließ sich freilich
die nervöse Grundierung des Aufbruchs ablesen. Führende Betriebe aus
Berlin, London und sogar Köln fehlten. Die Franzosen und Amerikaner fahren
schon seit Jahren lieber zur "Art Basel". Dort können sie sicher sein,
nicht bei Mittelmaß Koje an Koje zu landen. In fast 40 Jahren sind Vorrechte und Besitzstände eingerissen, die Pfründe der berüchtigten "Platzhirsche". Vorschussvertrauen ins Durchsetzungsvermögen des seit 2003 amtierenden Messe-Direktors Gérard Goodrow bewiesen die österreichischen Galeristen. Sie kehrten in Scharen an den Rhein zurück. Engholm Engelhorn, Hohenlohe & Kalb, Lendl, Knoll, Faber, Mezzanin und Meyer Kainer sind neu dazugekommen. Mit rund 20 Galerien bildeten die Österreicher nach den Deutschen die zweitstärkste Gruppe - bei insgesamt rund 250 Teilnehmern. Gabriele Senn wurde gemeinsam mit 15 weiteren geförderten "New Contemporaries" ein Logenplatz zuteil. Lukas Feichtner hat kontinuierlich Kontakte aufgebaut,
die sich zunehmend bezahlt machen. Schon vor der Eröffnung konnte er eine
staunende Blicke erntende Arbeit der jungen Wienerin Deborah Sengl an ein
Museum verkaufen: ein Präparat aus echtem Zebrafell mit stolz geschwelltem
Löwenkorpus und Raubtiergebiss. Während Fotografie nach den Höhenflügen in den Neunziger
Jahren weiter in den Hintergrund gerückt ist, schlug der anhaltende Boom
der figurativen Malerei in diesem Jahr fulminant durch. Es sind gezielt
Galerien angeworben worden, die die beliebte "Kraut Art" - so wird die
junge deutsche Malerei etikettiert - anbieten, etwa Alimentation Générale
aus Luxemburg mit Jung-Stars aus der Berliner Szene: Klaus Hartmann,
Wawrzyniec Tokarski, Jens Wolf. Prüss & Ochs aus Berlin waren den
kompletten Stand mit aktueller chinesischer Malerei im Handumdrehen los.
Bei Preisen bis zu 47.000 Euro deckte sich vor allem ein privates
österreichisches Museum ein. Der schwer verkäuflichen Video- und Sound-Art
wurde heuer mit einem Förderprogramm zu mehr Aufmerksamkeit verholfen.
Hohe Umsätze werden in Köln traditionell mit klassischer
Moderne erzielt, neu im Messeangebot waren heuer antike Skulpturen,
altindische Zeichnungen und afrikanische Stammeskunst. Nach über 30 Jahren
in den Rheinhallen zieht die Messe 2005 in luftigere Hallen um: eine
Gelegenheit zum großzügigen Umgruppieren und Enthierarchisieren. Dann wird
sich zeigen, ob der hoffnungsvoll begonnene Verjüngungsprozess fortgesetzt
werden kann. |
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