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MUMOK Factory: Dorit Margreiter

Kulturkritik im erweiterten Kino

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer
Noch bis zum 16. Jänner präsentiert sich die MUMOK Factory als dekonstruierte Luxus-Villa - mit Dorit Margreiters Arbeit "10104 Angelo View Drive".

Das österreichische Webverzeichnis! "10104 Angelo View Drive" ist eine edle Adresse in Beverly Hills: die 1963 gebaute Villa des Architekten John Lauter hat verschiebbare Wände, Decken, Terrassen, versenkbare Möbeln und TV-Geräte, die wie durch Geisterhand automatisch erscheinen und verschwinden; das Haus diente daher oft als Film-Set. Dorit Margreiter interessiert aber vor allem der Blick auf diese Architektur, die den Ort für den bösen, reichen und oft perversen Mann repräsentierte, und Situationen voll Angst und Schrecken verbreitete.
In einem konzeptuell-kulturkritischen Beitrag hat die Künstlerin mit einer filmischen Installation nicht nur diese Räume in die MUMOK Factory hereingeholt, sie stellt auch gesellschaftskritische Bezüge her. Mit Hilfe einer Performance vor Ort (mit den "Toxic Titties") werden geschlechtsspezifische Fragen in die scheinbar kühle Architektur-Dokumentation mit schnell wechselnden Bildern eingemixt.

Abgründige Architektur

Das Licht eines ganzen Tages und die Dunkelheit einer Nacht begleiten die vielen möglichen "Handlungen" des Hauses; neben den Wänden sind das auch Wasserflüsse, die von Rinnen in Terrassenbecken laufen, Glaswände und Spiegelungen oder nächtlich in der darunter angesiedelten Stadt auftauchende Reklamebildröhren. Alle Faktoren zusammen bewirken den Umschlageffekt von der kühlen Dokumentation ins Fiktionale und Unheimliche.
Margreiter hat zum dunklen Filmraum in der Factory das TV-Gerät aus "10104 Angelo View Drive" in Sperrholz als Attrappe nachgebaut und als Skulptur integriert, am Schirm laufen die Namen aller am Film Beteiligten. Das Lifestyle-Klischee Hollywood und die in dieser Villa gedrehten prominenten Filme wie "The Big Lebowsky" oder "Diamonds are Forever" werden dekonstruiert, die Sechzigerjahre-Ästhetik der Architektur gebrochen - die "unvollendete Moderne" in ihren Wechselwirkungen von Urbanismus, Warenkultur und Medienwelt findet sich in einer Collage wieder, die zwischen Wissenschaft und Künsten angesiedelt ist. Die Künstlerin gewann mit aktuellen Statements wie diesem den Telekom Austria Preis 2004 für Neue Medien.

Erschienen am: 08.01.2005

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