
OscART-Gala im Wiener Belvedere.

Kunstpreis für Museumschef Johann Kräftner und Galerie Krobath Wimmer.
Wien.
Früher Abend vor dem Oberen Belvedere, ein Jogger trabt an. "Was ist da
für eine Veranstaltung?" – "Eine Kunstpreisverleihung." – "Aha. Und
kriegen Sie auch einen?"
Nein. Doch Ehre ist hier jedem beschieden.
Win-Win-Situation nennen das Business-Gurus, und bei der
OscART-Verleihung, dem Kunsthandel-Pendant zum "Amadeus" der Popmusik,
greift der Effekt wie folgt: Häppchenschmauser strahlen im
Fotografen-Blitzlicht, der Medienpartner darf ein Werbefilmchen zeigen
(auch wenn Marshall McLuhan mit seiner zum abermillionsten Mal
zitierten Formel "The medium is the message" eher keine
Gala-Werbefenster verlangte), der Veranstalter trotz bekannter
Preisträger Spannung wünschen, und letztere können beim
Trophäenausfassen zusätzlichen Dank ernten, wenn sie Dankesworte auf
knappe Gefühlsäußerungen beschränken. Denn: Die Länge der jeweils
vorangestellten Laudatio inklusive Video-Porträt des Erkorenen scheint
den hohen Stellenwert von Kunst widerspiegeln zu müssen. Kurz gesagt
also: einfach "Bitte" und "Danke" – es geht auf Galas nicht.
Ein wenig Humor kommt dabei schon auf. Ernst Ploil, sichtlich
erfreut, nennt seine Sammeltätigkeit einen "psychischen Defekt" und
münzt Understatement in Befremden um: Wer sich mit anderen Gelüsten wie
"Saufen und Tschicken" befasse, werde doch kaum so belohnt.
Lob den Mittelsmännern
Dass es seinesgleichen hier widerfährt, bleibt erfrischend – weil
einmal nicht die Künstler, sondern deren Mittelsmänner jubilieren: im
Bereich Museum heuer Liechtenstein-Direktor Johann Kräftner, im
Kunsthandel Ploil, als zeitgenössische Galeristinnen Helga Krobath und
Barbara Wimmer, sammlungsbedingt Horst Köhn und im klassischen
Kunsthandel Ilse Lehner-Dorner, die sich "sehr gerührt" zeigt.
So gesehen ist der Osc ART, alljährlich veranstaltet von der
Wirtschaftskammer Wien Sparte Kunsthandel, in seiner sechsten Ausgabe
bestückt mit Skulptur-Trophäen des Künstlers Marko Lulic, eine Art
Erntedankfest der Kunstsinnigen. Und diese Saat, sie geht auf: Wie
Mumok-Chef Edelbert Köb in seiner Laudatio stolz erzählt, belegt
Österreich im Ranking nationaler Vorkommnisse an moderner Kunst
weltweit den zehnten Platz.
Dienstag, 25. September 2007