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Kunstberichte

Die Kunstliebe, ein preiswürdiger Defekt

OscART wurde zum sechsten Mal in der Kunsthandels-Branche vergeben
Von Christoph Irrgeher

Aufzählung OscART-Gala im Wiener Belvedere.
Aufzählung Kunstpreis für Museumschef Johann Kräftner und Galerie Krobath Wimmer.

Wien. Früher Abend vor dem Oberen Belvedere, ein Jogger trabt an. "Was ist da für eine Veranstaltung?" – "Eine Kunstpreisverleihung." – "Aha. Und kriegen Sie auch einen?"

Nein. Doch Ehre ist hier jedem beschieden. Win-Win-Situation nennen das Business-Gurus, und bei der OscART-Verleihung, dem Kunsthandel-Pendant zum "Amadeus" der Popmusik, greift der Effekt wie folgt: Häppchenschmauser strahlen im Fotografen-Blitzlicht, der Medienpartner darf ein Werbefilmchen zeigen (auch wenn Marshall McLuhan mit seiner zum abermillionsten Mal zitierten Formel "The medium is the message" eher keine Gala-Werbefenster verlangte), der Veranstalter trotz bekannter Preisträger Spannung wünschen, und letztere können beim Trophäenausfassen zusätzlichen Dank ernten, wenn sie Dankesworte auf knappe Gefühlsäußerungen beschränken. Denn: Die Länge der jeweils vorangestellten Laudatio inklusive Video-Porträt des Erkorenen scheint den hohen Stellenwert von Kunst widerspiegeln zu müssen. Kurz gesagt also: einfach "Bitte" und "Danke" – es geht auf Galas nicht.

Ein wenig Humor kommt dabei schon auf. Ernst Ploil, sichtlich erfreut, nennt seine Sammeltätigkeit einen "psychischen Defekt" und münzt Understatement in Befremden um: Wer sich mit anderen Gelüsten wie "Saufen und Tschicken" befasse, werde doch kaum so belohnt.

Lob den Mittelsmännern

Dass es seinesgleichen hier widerfährt, bleibt erfrischend – weil einmal nicht die Künstler, sondern deren Mittelsmänner jubilieren: im Bereich Museum heuer Liechtenstein-Direktor Johann Kräftner, im Kunsthandel Ploil, als zeitgenössische Galeristinnen Helga Krobath und Barbara Wimmer, sammlungsbedingt Horst Köhn und im klassischen Kunsthandel Ilse Lehner-Dorner, die sich "sehr gerührt" zeigt.

So gesehen ist der Osc ART, alljährlich veranstaltet von der Wirtschaftskammer Wien Sparte Kunsthandel, in seiner sechsten Ausgabe bestückt mit Skulptur-Trophäen des Künstlers Marko Lulic, eine Art Erntedankfest der Kunstsinnigen. Und diese Saat, sie geht auf: Wie Mumok-Chef Edelbert Köb in seiner Laudatio stolz erzählt, belegt Österreich im Ranking nationaler Vorkommnisse an moderner Kunst weltweit den zehnten Platz.

Dienstag, 25. September 2007


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