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05.12.2001 - Ausstellung
Fruchtiges und der Tod Die Natur des Stillebens
In Bologna versucht die Galleria d'Arte Moderna mit Werken von Manet bis heute die Natur des Stillebens zu fassen.
VON ALMUTH SPIEGLER


Eigentlich scheint es so simpel: Man nehme einen Krug, ein paar Äpfel, vielleicht sogar eine Ananas, ein totes Tier, am besten gut abgelegen, drapiere sie auf einem Tisch - und male es ab. Voilà: Wir haben eine "natura morta", ein Stilleben. Was so einfach klingt und in der Kunstgeschichte mitunter ein unbedanktes Dasein fristen mußte, entwickelte sich mit Cézanne, Ende des 19. Jahrhunderts, zu einem der Hauptthemen der Kunst, wurde zum Spielfeld des formalen und ikonographischen Experimentierens.

Doch nicht nur die Malerei nahm sich dieses Themas an, auch die Photographie entdeckte das Stilleben schon von ihren Anfängen um 1830 an für sich, anfangs noch stark von der bildenden Kunst beeinflußt, später weitgehend losgelöst und heute die Malerei fast verdrängend.

Die Galleria d'Arte Moderna in Bologna - Heimatstadt von Giorgio Morandi (1890-1964), einem der Meister des Stillebens im 20. Jahrhundert - widmet mit "La natura della natura morte" dem Thema in Photographie und Malerei bis 24. Februar 2002 eine umfassende Ausstellung. Vom Anfang der Moderne bis heute geben 120 Werke einen repräsentativen Überblick.

Angenehm viel Luft ließ Kurator und Direktor der Galleria, Peter Weiermair, den Werken zum Atmen, und wer sich an das flashige Orange der Kojenwände gewöhnt hat, kann den Wandel durch die Kunstgeschichte der vergangenen 130 Jahre beginnen.

Grün kullern einem die Äpfelchen auf einem der letzten Bilder Manets (1880) entgegen, die Bronze-Plastik des Futuristen Umberto Boccioni von 1912 umschreitend, windet sich der Blick in und um die aufgelöste Flasche, bohrt sich in den sich drehenden Teller. Nach Auflösung der Figur im Kubismus und symbolistischer Deutung im Surrealismus wurde die Detailtreue in der Neuen Sachlichkeit wieder Hauptaugenmerk. In der Pop Art der sechziger Jahre lebt das Stilleben durch die Konsumkritik wieder auf. Mario Merz schichtet dann duftend Fruchtiges auf Glastischen üppig übereinander - das reale Obst doppelt sich effektvoll in einem verspiegelten Pflanzenstilleben von Michelangelo Pistoletto, 1965. Der Übergang zur Photographieschau im zweiten Obergeschoß gestaltet sich fließend, die gegenseitigen Einflüsse sind überzeugend - die "natura morte" lebt.



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