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30 Jahre Galerie Krinzinger: "Hommage an Schwarzkogler"

Facetten des Aktionismus

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Debattieren Sie mit!Eigentlich ist 2002 das 31. Jahr der Galeristin Ursula Krinzinger, aber die Entscheidung, den Kernpunkt ihres Programms mit der "Hommage an Rudolf Schwarzkogler" bis 23. März zu zeigen, nahm längere Vorbereitungen in Anspruch. Denn es sind nicht nur die Vintage-Fotos der Aktionen 1, 2, 3, 4 und 6 in Reihen zum großen Gesamtkunstwerk in einen blauen Raum - passend zur wesentlichen Farbe, die der apollinische "Gegenpol" von Hermann Nitsch verwendete - gehängt, sondern auch das rege Nachleben in Europa und an der Westküste der USA wird mit besonderen Beiträgen in drei Räumen untersucht. Zeichnungen und Schriften sowie Wortgedichte, die der Wiener Gruppe ähnlich sind, ergänzen.
Eigentlich ist es eine Museumsausstellung, die von der Galeristin präsentiert wird und auch ihre breite vermittelnde Tätigkeit aufzeigt. Aus der 1975 begonnenen Freundschaft zu Edith Adam, der Lebensgefährtin des 1969 mit 28 Jahren verstorbenen Schwarzkogler resultiert auch der Ankauf des Nachlasses 1982 für ein Aktionismusarchiv des Museums moderner Kunst. Rudolf Schwarzkoglers Thematisierung von Schmerz, seine Theorien und Rituale, die er ausschließlich für die Kamera oder nur vor Freunden (ohne Publikum) in hochästhetischen Aktionen (Nr. 1: "Hochzeit") formulierte, haben nicht nur Brus, Nitsch und sein Modell, den Fotografen Heinz Cibulka, stark beeinflusst; auch die körperbezogenen Vertreter der Westcoast wie McCarthy oder Mike Kelly, aber auch Chris Burden profitierten von seinen elegisch selbstquälerischen Arbeiten.
Der Beitrag von Marina Abramovic (hier als großes Foto) auf der letzten Biennale mit dem Knochenhaufen, Blätter aus Bruno Gironcolis frühe Phase von Installationen und Skizzen mit gequälten Kreaturen in zwanghaft umschlossenen Räumen sind zu sehen wie die Aktionistinnen Gina Pane und Carolee Schneemann; Erstere mit einer Selbstverletzung durch Rosendornen, aber auch Valie Export und Peter Weibel, der Russe Oleg Kulik, der Norweger Bjarne Melgaard, Jürgen Klauke, Franz West und Erwin Wurm (u. a.) fühlen sich als Weggefährten und Nachfahren.
Ursula Krinzinger hat neben dieser Schiene von Aktionsmus und Körperkunst auch die Neue Malerei, Klassikerinnen wie Meret Oppenheim, erweiterten Skulpturbegriff mit Weinberger oder Wurm und ganz junge Künstlerinnen und Künstler mit innovativen Tendenzen gefördert und zuerst nach Innsbruck und dann seit 1986 auch nach Wien gebracht. Ihr Verdienste als Vermittlerin sind sehr hoch einzuschätzen, zudem ist uns zu wünschen, dass ihr die Galerie weiter so viel Engagement bis zur sich völlig verausgabenden Raserei abverlangt und die Kraft anhält.

Erschienen am: 22.02.2002

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