Neupositionierung

Eines seiner wesentlichen Ziele sei es, die dem Museum zustehende Themen-Führerschaft zurückzuerobern, so Neo-Direktor Edelbert Köb.


Seit 1. Jänner dieses Jahres ist Edelbert Köb, seit 1974 Professor an der Akademie der bildenden Künste in Wien, langjähriger Secession-Präsident und Leiter des Kunsthauses Bregenz, nun Geschäftsführer des Museums moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien (mumok).

Das mumok habe "in den letzten Jahrzehnten ein bisserl die Gunst des Publikums verloren". Es werde nun gelten, im neuen Haus und in einer mit der Eröffnung des Museumsquartiers neuen Konkurrenzsituation mit einem strategischen Programm verschiedene Felder zu besetzen. Auf publikumswirksame Namen im klassischen Bereich werde man daher nicht verzichten können, so Edelbert Köb, der fünfte Direktor seit Gründung des Museums.

"Spät kommt Ihr ..."

"Spät kommt Ihr, doch Ihr kommt. Der weite Weg entschuldigt Euer Säumen" hatte Alt-Vizekanzler und einstiger Wissenschaftsminister Erhard Busek als Festredner und einer der Gründerväter dieses Hauses im September des Vorjahres Schillers "Wallenstein" zur Eröffnung des Museums im Museumsquartier zitiert. Denn bis zur Fertigstellung des neuen Museums war es tatsächlich ein langer Weg.

Noch-Direktor Hegyi

Zu diesem Zeitpunkt war Lorand Hegyi - noch - Direktor des Museums Moderner Kunst. Denn bereits damals stand fest, dass Hegyi, der 1989 von Busek von Budapest nach Wien geholt worden war und das Museum seit 1990 leitete, das Haus auf eigenen Wunsch per Ende des Jahres verlassen wird. Als Grund nannte er die Überführung des Museums in die Vollrechtsfähigkeit.

In einem Gespräch mit kultur.ORF.at erklärte Hegyi knapp vor der mumok-Eröffnung u.a.: "Wenn man von Kulturnation spricht, dann hat der Staat auch Verantwortung für die Kultur". Und zu den Vorwürfen seiner Kritiker meinte er: "Der Kult des Events hat ganz starke Wurzeln in der österreichischen Kultur. Aber dieser Spektakel-Hunger interessiert mich nicht."

Erstmals adäquate Präsentation

Nach elf Jahren seiner - zum Teil sehr stark umstrittenen - Tätigkeit konnte Hegyi nun erstmals die Werke seines Hauses adäquat präsentieren und damit seine Museumspolitik veranschaulichen. Seine Kritiker warfen ihm u.a. falsche Sammlungspolitik, zuwenig Einflussnahme bei der Gestaltung des Neubaus sowie zu große Reisefreudigkeit vor.

Unterschiedliche Konzepte

Hegyi war bei seiner Bestellung 1990 drei Direktoren mit unterschiedlichen Sammlungs-Konzeptionen gefolgt und sollte eine ziemlich heterogene Sammlung konturieren und strukturieren sowie Lücken in den Sammlungsbeständen füllen.

Mit dieser von Busek getroffenen Personal-Entscheidung war auch ein Signal dafür gegeben, das Haus als führendes mitteleuropäisches Museum zu positionieren.

Gründung 1962

Bei seiner späten Gründung - 1962 als Museum des 20. Jahrhunderts - war für das Museum der Erwerb der großem Meister der klassischen Moderne und der historischen Avantgarde der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kaum mehr erschwinglich.

Nach der Pionierleistung von Gründungsdirektor Werner Hofmann, der den Grundstock zu einer internationalen Sammlung legte, richtete sein Nachfolger Alfred Schmeller den Fokus auf die zeitgenössische österreichische Kunst. Mit der Gründung des Museums moderner Kunst im barocken Palais Liechtenstein, für das das deutsche Sammlerehepaar Irene und Peter Ludwig bedeutende Leihgaben zur Verfügung stellte kam es unter dem neuen Direktor Dieter Ronte wiederum zu einer Neukonzeption.

Globale Ausrichtung

Nach Rontes Bemühungen um Lückenfüllung zwischen zeitgenössischer österreichischer Kunst nach 1945 und internationaler Kunst, suchte Hegyi einen Schwerpunkt bei der aktuellen Kunst der 80er und 90er Jahre - mit globaler Ausrichtung, die neben Mittel- und Osteuropa auch Lateinamerika und Asien einbezog.

Globalisierung, Mediatisierung, Multikulturalität, Minderheitenfragen sowie Body- und Gender-Diskurse wurden als Leitthemen in die Sammlungspolitik eingebracht. Was Hegyi auch den Vorwurf einbrachte, nicht in die richtige Richtung und zu jenen Zentren zu blicken, in denen sich der aktuelle Kunstdiskurs abspiele.

Flaggschiff der Moderne

Mimmo Rotella (Zum Vergrößern anklicken) / ©Bild: mumok
Mimmo Rotella (Zum Vergrößern anklicken) / ©Bild: mumok

Das Museum moderner Kunst ist das größte österreichische Haus für moderne und zeitgenössische Kunst. Mit seinen Sammlungs-Schwerpunkten Pop Art und Fotorealismus (Österreichische Ludwig Stiftung), Fluxus und Nouveau Réalisme (Sammlung Hahn) und dem Wiener Aktionismus verbindet es auf einzigartige Weise die Höhepunkte gesellschafts- und realitätsbezogener sowie performativer Kunst des 20. Jahrhunderts.

Die Sammlung umfasst darüber hinaus Werke der Concept Art und Minimal Art, Land Art, Arte Povera, Installations- und Objektkunst der jüngsten Vergangenheit sowie medienbezogene Positionen der Gegenwartskunst.

Link:

Radio &sterreich 1