Salzburger Nachrichten am 18. Februar 2004 - Bereich: kultur
Aus der Natur zur straffen Form

Die Sammlung Essl in Klosterneuburg ehrt Wolfgang Hollegha

WIEN (SN).

Wolfgang Hollegha zählt neben Arnulf Rainer, Josef Mikl und Markus Prachensky zu den prägenden österreichischen Künstlerpersönlichkeiten der Nachkriegszeit. Für seine "Gestürzte Figur" erhielt er 1958 den Guggenheim-Preis für Österreich und beteiligte sich an der documenta III in Kassel sowie an der Biennale Sao Paolo 1967. Zudem lehrte er von 1972 bis 1997 an der Wiener Akademie der bildenden Künste eine ganze Generation junger Künstler.

Anlässlich von Holleghas 75. Geburtstag widmet die Klosterneuburger Sammlung Essl dem Künstler eine am Mittwochabend eröffnete Ausstellung mit großformatigen Ölbildern aus den Jahren 1977 bis 1987 sowie aus den letzten sieben Jahren. Mit Ausnahme von drei der Sammlung Essl gehörenden Arbeiten kommen die Arbeiten direkt aus dem Atelier des Künstlers. Es befindet sich in einer entlegenen, schwer zugänglichen Gegend auf dem steirischen Rechberg bei Frohnleiten, wurde aus mächtigen alten Baumstämmen errichtet und wirkt wie eine Skulptur im Wald. Zuweilen steigt Hollegha auf eine bis zum Dachstuhl reichende Leiter, um die Leinwände von oben betrachten zu können.

Solche Verbundenheit mit der Natur spricht auch aus den bei Essl gezeigten Riesenformaten, auch wenn Hollegha an der Abstraktion festhält. Die Energie und Dynamik ausstrahlenden, aber immer zur straffen Form gebündelten Farbflecken auf den Leinwänden lösen unmittelbar Assoziationen zu naturhaften Elementen, etwa Blättern, Stämmen oder Ästen, aus.

Beim Arbeitsprozess setzt Hollegha seinen ganzen Körper ein, schüttet die Farben auf die Leinwände, um sodann die dünn aufgetragenen Farbmassen mit Stoffballen zu lenken. Den Pinsel verwendet er fast nur zum Tropfen der Farbe. Ungeachtet dieses dynamischen Werkprozesses entstehen die Bilder Holleghas eher langsam.

Für die Schau wurde bewusst das bedeutende Frühwerk Holleghas ausgeklammert. Der Besucher findet es aber in der Gruppenausstellung "St. Stephan" im Schömer-Haus in unmmittelbarer Nähe der Sammlung.

GÜNTHER FROHMANN

Wolfgang Hollegha. Sammlung Essl Klosterneuburg. Bis 18. April, Di.-So. 10-19 Uhr, Mi. bis 21 Uhr.