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06.11.2004 - Kultur&Medien / Ausstellung
Monat Der Fotografie: Aus dem Nebel
VON CHRISTINA BÖCK
Cartier-Bressons "Die Essenz von Paris" im Wien Museum Karlsplatz.

E
in Augenblick zu Fronleichnam im Paris des Jahres 1952. Eine stattliche Gruppe Ministranten, begleitet von einer Nonne in ausladendem Flügel-Habit und Mädchen in weißen Flügelkleidchen. Die Kinder schauen fromm, unsicher, verschmitzt und aufmerksam, in einer Reihe unterhalten sich zwei Burschen versteckt, tratschen wie pensionierte Patres.

Ein Augenblick am Place Dauphine im Paris des Jahres 1952. Zwei ältere Damen, mittelelegant, plaudern auf der Straße, sie scheinen nur einen Wimpernschlag von einem alterssonoren Kichern entfernt. Der Hund der einen scheint sich in das Gespräch einmischen zu wollen, aber vielleicht springt er die Frau ja nur an, weil sie eine Wurst in der Tasche hat.

Zwei Augenblicke, die Henri Cartier-Bresson (1908 bis 2004) mit seiner Leica festgehalten hat. 130 seiner Fotos sind im Wien Museum Karlsplatz zu sehen. Die Auswahl hat er selbst getroffen, für eine Ausstellung 1984 in Paris. Was ist nun die "Essenz von Paris", gesehen durch das "Auge des 20. Jahrhunderts", wie Cartier-Bresson oft genannt wurde? Das ist ein Bub, der mit stolz-neckischem Blick zwei Weinflaschen durch die Straßen trägt. Das ist eine Familie, die vor einer ärmlichen Baracke mit Hund für einen antiquierten Fotoapparat posiert. Das ist Jean Paul Sartre mit Pfeife am Pont des Arts. Das ist der Eiffelturm, der zögernd aus dem Nebel taucht, einem so dichten Nebel, dass er gerade noch kein Kitsch ist. Das sind Schattenspiele in den Tuilerien. Erwischte Kinder, amikale Hunde, distinguierte Damen und Herren im Alltag, das Pläuschchen (selbst zwischen Paletten in den Markthallen Les Halles): Motive wie Leitmotive.

Und es ist ein nostalgisch-ironischer Blick auf Paris. Wie die Szene im Nobelcafé Lipp: Ein abschätzig-neugieriger Blick einer älteren Dame auf eine junge Frau im weißen Minikleid. Ein Mann, der mit seinem Spitz am noblen Café-Tischchen frühstückt. Oder die beiden Damen im identischen Pelzmantel, die in der Stofftierabteilung gustieren. Die Plüsch-Rehe schauen schon ganz nervös hinüber. Cartier-Bresson sagte: "Fotografieren ist wie Bogenschießen, richtig zielen, schnell schießen und abhauen."

"Die Essenz von Paris" ist der Auftakt zum "Monat der Fotografie" in Wien, Berlin und Paris. In ganz Wien verstreut sind 76 Foto-Ausstellungen. Manches direkt zum Thema wie "Paris - Berlin - Wien" von Franz Hubmann in der Galerie Hofstätter: Porträts von Chagall und Giacometti, städtischer Alltag. Skurriles wie ". . . und deshalb bitten wir Sie, liebe Elfriede, mit der beigelegten Einwegkamera . . ." in den Büchereien: Schriftsteller wurden gebeten, ein Porträt von sich selbst zu schießen. Verspieltes wie "Desire to Mimic" im MAK: Tomoko Sawada porträtiert sich selbst in verschiedensten Rollen - etwa als Direktor Peter Noever. Oder "children kinder kinderlach" im Jüdischen Museum: Kinder beim Lernen, Beten, Spielen, auf der ganzen Welt.

"Die Essenz von Paris": bis 9. Jänner 2005. tägl. außer Montag 9-18 Uhr

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www.2004.photographie.com

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