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| 09.06.2006 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Mumok: Hochglanz, politisch korrekt | ||
| VON ALMUTH SPIEGLER | ||
| Neuankäufe. Das Mumok fährt mit Fotografie und Medienkunst mächtig auf. | ||
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Das Museumsquartier als Ort der Extreme: Wird im weißen Leopold Museum zu leichtest verdaulichen "Frauenbildern" geladen, inszeniert sich das schwarze Museum moderner Kunst gegenüber wiederum als derart elitärer Hort der Theorie, dass einem vor lauter institutionskritischer Reflexion, Rezeptionsanalyse, Mediatisierung und Entkontextualisierung fast die Sinne versagen. Auf fünf Geschoßen des Kunstbergwerks präsentiert Direktor Edelbert Köb mit mehr als 200 Exponaten von 73 Künstlern und Künstlerinnen mächtig die politisch äußerst korrekt geernteten Früchte des von ihm angeregten neuen Sammlungsschwerpunkts des Hauses: Fotografie und Medienkunst. Gemeinsam mit Achim Hochdörfer, Christian Kravagna und
Matthias Michalka konstruierte er sowohl aus den älteren Beständen des
Hauses, großteils aber aus den konzentrierten Ankäufen seit seinem
Amtsantritt 2002, drei recht angestrengt wirkende, durchaus
vernachlässigbare Themenblöcke, die später im Katalog durch alphabetische
Reihung sowieso wieder entspannt aufgelöst werden. Auffällig beim Durchwandern der nach einem Foto Louise Lawlers benannten Schau "Why pictures now" aber ist vor allem die Integration sonst meist noch immer isoliert betrachteter außereuropäischer Künstler. Viele dieser Namen kennt man in Wien bereits von der Kunsthalle, so etwa David Goldblatt, der südafrikanische Pionier unpathetischer Alltagsbeobachtung, oder Zwelethu Mthethwa, der im Mumok mit einer sarkastischen Serie über einen schwarz geschminkten weißen Mann vertreten ist, der in die Rollenbilder eines Dienstmädchens schlüpft. Und auch Nan Goldin mit ihrem Foto-Tagebuch der schwul-lesbischen New Yorker Szene sowie Tracey Moffatt sind bereits bekannt. Was nicht als Kritik verstanden werden soll, im Gegenteil: So müsste der Weg eigentlich laufen, von zeitgeistigen Kunsthallen in die musealen Sammlungen. Dem Mumok ist das über die Jahre und mit Hilfe u. a. der Freunde der bildenden Künste sowie Dauerleihgaben der Stiftung Ludwig mit einigen besonders schönen Stücken auch immer wieder gelungen: mit James Colemans rätselhafter Dia-Schau "Lapsus Exposure" etwa. Den fantastisch komischen, frühen Serien Anna und Bernhard Blumes aus den 70ern. Oder ebenso frühen "Archäologien" Bernd und Hilla Bechers, von deren Schülern wie Andreas Gursky, Thomas Struth, Candida Höfer auch jüngst angekauft wurde - und sicher teuer. Ebenso kostspielig, der Vollständigkeit eines
international so vergleich- wie verwechselbaren Modernemuseums aber
dienlich, war auch der Erwerb eines von Thomas Demands eisig
farbfotografierten Pappnachbauten. "Gate" wurde von Köbs neuem
Unterstützer-Board finanziert. Weiteres Sammeln scheint also gesichert. Womit Köbs zu
diesem Zweck ausgerufenes "Jahr des Sammelns" endlich abgeschlossen ist.
Versöhnlich. Und mit Blick voraus. |
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