Galerien live
Das Archiv Noah
(cai) Bisher war ich ja der Meinung, ein Archiv, das wäre ein Ort,
dessen Ausstrahlung sich mit dem folgenden Erikativ allumfassend
beschreiben lässt: schnarch! Im Kunstraum Niederösterreich bin ich
jetzt freilich ... na ja, auch keines Bessern belehrt worden. Künstler
sammeln und horten halt Diverses (wie Noah einst seine Viecherln im
Temporär-Archiv "Arche"). Die Stimmung ist nach einem Besuch beim
Punschstand jedenfalls besser. (Irgendwie logisch.)
Da kram ich also eher lustlos in den Schachteln herum, die die
Gruppe Mahony zwangsneurotisch gefüllt hat mit Fotos von Wiener Kellern
( Kellner wären mir lieber gewesen), und ich denke: Ach, wär
ich doch stattdessen auf den Christkindlmarkt gegangen! Aber ganz ohne
Drogen muss man das eh nicht durchstehen. Im Separee hinterm Vorhang
sorgt ein Marihuana-Geruchsimitator (geräucherter Salbei) für ein
würziges Raumklima, das Jeremy Dellers Diashow (bildbandtaugliche
Impressionen aus dem Wilden Westen) deftig romantisch vervollkommnet.
Rainer Ganahls Roadmovies sind so etwas wie "Easy Rider mit dem
Fahrrad" ("Easy Radl" quasi). Seine authentisch dynamische Kamera, wenn
er durch Städte strampelt, ist durchaus reizvoll. Als er Lenin in
Moskau besuchen will und auf dem Roten Platz von Polizisten aufgehalten
wird, kitzelt das die Nerven ganz schön. (Tja, vorm Mausoleum hätt’ er
dann sowieso absteigen müssen. Ein Mausoleum ist ja kein Drive-in.)
Doch ein Opus wie "Planetenkinder" (Florian Schmidt und Gernot Wieland)
erstickt die Stimmungsaufhellung schnell wieder im Keim. Zugeklebte
Bücher ohne Titel und eine misshandelte Styroporkugel. Ein Werk zu
fabrizieren, das kein Schwein versteht, ist eigentlich ziemlich
unhöflich. Vielleicht hätt’ ich eben vorher den euphorischen Pressetext
nicht lesen sollen ("eine lebhafte Darstellung zeitgenössischer Kunst",
"eine beeindruckende Fülle von Arbeiten"). Wär’ ich weniger enttäuscht
gewesen.
Kunstraum NOE
(Herrengasse 13)
La Petite Histoire
Bis 29. November
Di. – Fr.: 11 – 19 Uhr Sa.: 11 – 15 Uhr
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Salat ist pink
(cai) Woran erkennt man einen Kulturmenschen? Er kann einen Rembrandt
von einem van Dyck unterscheiden, aber nicht ein Buschwindröschen von
der Echten Brunnenkresse. Als totale Botanik-Idiotin (für die ein rosa
angestrichener Häuptelsalat als passable Pfingstrose durchginge) weiß
ich die Etiketten unter den Blumenstillleben von Judith Schimany
("Zyklamen" usw.) wirklich zu schätzen. Doch während Dürer sich für
sein "Großes Rasenstück" den Gräsern fast so prosaisch genähert hat wie
ein Rasenmäher, dürfte Schimany für ihre Modelle, die sie in der Wiese
oder im Laden pflückt, romantische Gefühle hegen. Gut, Blüten so duftig
zu aquarellieren, dass sie auf einem Muttertagsbillet nicht unangenehm
auffallen täten, ist riskant. Da ist man direkt erleichtert, dass da
und dort jede Menge Vanitas verströmt wird, Pflanzen dem Kompost
entgegenwelken. Und dass es auch Landschaften gibt. Malerei, die so
akribisch realistisch ist, dass ein Unbegabter vor Neid ergrünen muss,
ist mir immer ein bissl unheimlich. (Besonders wenn ich grad selber grün im Gesicht bin.)
Galerie am Schillerplatz
(Makartgasse 1)
Judith Schimany
Bis 30. November
Tel.: 01/523 13 66
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Der Duft der Wahrheit
(cai) Diese Bilder riechen
schon so ehrlich. Nach Öl und Terpentin. Und ausschauen tun sie noch
viel aufrichtiger. Eine illusionslose, bunte Masse, in der einer
geackert hat. Nikolaus Moser ist eindeutig ein Vertreter der
What-you-see-is-what-you-get-Kunst. Andererseits: Der rohe Farbgatsch
hat eine gewisse kitschige Sentimentalität. Und oft beschleicht einen
ein erhabenes landschaftliches Gefühl. Brutal, aber von Herzen.
Galerie Ernst Hilger
(Dorotheergasse 5)
Nikolaus Moser
Bis 4. Dezember
Di. – Fr.: 10 – 18 Uhr Sa.: 10 – 16 Uhr
Printausgabe vom Mittwoch, 26. November 2008
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