Der Aktionist, Zeichner und Poet
Günter Brus. Das Salzburger Rupertinum zeigt die Entwicklung vom verfemten zum angesehenen Künstler.
ERNST P. STROBL SAlzburg (SN). Die berühmten und erschreckenden Bilder von Günter Brus aus der Zeit der Aktionisten, welche auch heute noch die Magennerven reizen, sind im Museum der Moderne Salzburg nicht zu sehen. Dennoch sind aus frühen Künstlertagen des Enfant terrible Fotografien unabdingbar, wenn man eine Brus-Retrospektive anstrebt, wie sie das Museum der Moderne im Rupertinum bis 19. April bietet.
Ein Beispiel: Aus der Serie „Zerreißprobe“, mit der Günter Brus bei einer Aktion in München 1970 Abschied nahm vom Aktionismus und damit von bedrohlichen Entwicklungen, ist ein geradezu harmloses Bildchen ausgestellt. Nichts von der Brutalität, mit der Brus seinen eigenen Körper malträtierte, als würde er sich vierteilen wollen. Dagegen sind die ersten Fotoserien, die sich in der Salzburger Sammlung befinden, fast milde. Da gibt es Fotos eines weiß bemalten Mannes, der sich seiner Fesselungen entledigt wie eine Hollywood-Mumie, die zum Leben erwacht. Zu sehen ist auch der „Wiener Spaziergang“ des gespaltenen Mannes samt dem unfreiwillig komischen amtshandelnden Polizisten.
Der damalige Leiter des Rupertinums, Otto Breicha, hatte früh die Werke von Brus gesammelt, als dieser noch als verfemter Künstler im Exil wohnte. Bei einem Presserundgang am Freitag im Rupertinum erinnerte sich Brus nur mühsam an alte Bilder, bei einigen Zeichnungen stellte er erfreut fest, dass sie in Salzburg gelandet sind.
Die Retrospektive reicht bis ins Jahr 2006 mit dem tollen Zyklus „Das Bleiben im Rahmen des Unmöglichen“, den Brus’ Galeristin Heike Curtze beisteuerte. Der Rundgang über zwei Stockwerke zeigt anschaulich die Entwicklung von Brus – bis zum umworbenen Staatspreisträger, für den in Graz sogar ein „Bruseum“ geplant ist.
Radierungen bis hin zum kosmischen Großformat „Stillstand der Dynamik“, rätselhafte „Bild-Dichtungen“ von hoher poetischer und zeichnerischer Qualität, altmeisterliche Grafiken und auch die Entwürfe für Veranstaltungsankündigungen im Rupertinum zeigen – unter dem Titel „Postdirekte Kunst“ – einen maßgeblichen Beitrag zur österreichischen Kunstgeschichte.





















