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Zuletzt aktualisiert: 03.03.2011 um 20:19 UhrKommentare

Ortsveränderungen, Zeitverschiebungen

Geschichtsschreibung mit dem Buntstift, die Befragung von individuellen und gesellschaft-lichen Identitäten, die Ästhetik von Texten: Die zeitgenössische Kunst hat viele Inhalte.

Norbert Trummer

Foto © minoriten kultur Norbert Trummer

MINORITEN-GALERIE

Norbert Trummer erforscht Orte. In den vergangenen Jahren unter anderem Alfred Kubins Schlösschen in Zwickledt und die Grazer Neue Galerie. Die Folge dieser Hausbesuche waren Zeichnungen, Bücher und Trickfilme. Hervorbringungen einer unverwechselbaren Eigen-Art, mit der sich der gebürtige Leibnitzer unspektakulär, aber umso nachdrücklicher positioniert hat. Trummer muss nicht klotzen, ihm reichen ein DIN-A5-Blatt und Buntstifte, manchmal Eitempera und Holz.

Mit diesen Mitteln besetzte Trummer Ende 2009 das Kulturzentrum bei den Minoriten, um dort die Vorbereitungen eines Umzugs zu dokumentieren. Als Historiograf, dem freilich völlig freie Hand gelassen wurde. "Standortwechsel" ist nun der Titel einer Ausstellung mit kleinformatigen Zeichnungen, wiederum eines Buchs und eines kleinen Trickfilms aus den erwähnten Grafiken. Ein Titel, der nicht nur räumliche Veränderungen meint, sondern auch solche im kulturellen Klima, wie Minoriten-Rektor Johannes Rauchenberger im Buch ausführt.

In Summe ist Trummers Arbeit eine poetische Bestandsaufnahme der kleinen, alltäglichen Dinge, aber auch der Kloster- und Kirchenarchitektur des Klosterkomplexes. Büroutensilien treffen da auf barocke Putten, Familienfotos auf Heiligenfiguren.

"Als Norbert Trummer in das Chaos des Ausräumens kam, erschien mir seine Art, Kunst zu machen, gerade die einzig mögliche zu sein, um dieser Umbruchsituation gerecht werden zu können", schreibt Rauchenberger im hübschen handlichen Breitformat (in dem Trummer stets publiziert). Kein Fotoapparat, keine Videokamera also, sondern der langsame Wahrnehmungsprozess eines unaufdringlichen Beobachters. Ein Akt "franziskanischer Armut auch in der Kunst" (Rauchenberger). Mit reichen Ergebnissen.

Norbert Trummer ist nicht nur ein Mann der visuellen Künste, er singt, spielt Akkordeon und Ukulele, ist immer wieder Teil von Bands wie Scheffenbichler, a parrot singing und Der Schwimmer. Von Letzterem stammt meist die Musik zu seinen Filmen, auch die von "Standortwechsel". Die einen Bezug zu Ort der Handlung aufweist: Die minimalistische Komposition wurde vor einem Jahrzehnt eine ganze Nacht lang im Minoritensaal gespielt.

Norbert Trummer. Bis 25. März, Kulturzentrum bei den Minoriten, Graz, Mariahilferplatz 3/I. www.kultum.at

Norbert Trummer. Standortwechsel. Buch mit DVD. Bibliothek der Provinz. 18 Euro.

GALERIE GRAZY

Zeitfragen. Die tatsächliche Ähnlichkeit führte zur Frage "Wer bin ich?" und zur Behauptung "Dann ist jetzt", zu Fotos und zum Video "Gaspard Ziegler, Porträt mit Uhr". Darin übernimmt Fiona Rukschcio die Rolle Zieglers auf einer berühmten Daguerreotypie aus dem Jahr 1841. Zeit ist auch Thema des Films "Ein Tag wie jeder andere".

Collagen zeigen die 39-jährige Wienerin als lustvolle Monteurin verbal und optisch witziger Oberflächen. WT Fiona Rukschcio. Bis 27. März. Galerie Grazy, Graz, Sporgasse 16. werkstadt.at

KHG-GALERIE

Verlust. Die Bedrohung von Paradiesen behandelte Florian Langs Collagenserie "Flutland". Ihr folgt nun in der Katholischen Hochschulgemeinde Wendelin Pressls "Paradise Lost". Auch hier geht es um Folgen ökonomischer Mechanismen, um "Besitz und Abgrenzung, Markt- und Geldwert".

In der KHG-Galerie hat der steirische Künstler einen Raum mit Latten abgeschlossen, der Blick durch den Zaun fällt auf Bilder von Münzen, deren Reliefs in Schraffurtechnik auf das Papier übertragen wurden. Jeweils 97,70 Euro pro Blatt, gleichzeitig dessen Preis.

In der Zinzendorfgasse führt Pressl das Prinzip der Ab- und Ausgrenzung weiter. Indem er den Zaun des zur Leechkirche gehörenden Gartens auf vier Meter erhöht. Pressl stellt damit (von Jean-Jacques Rousseau angeregte) Fragen nach Eigentum und zur Verantwortung jener, die haben, gegenüber Nichthabenden. In Zeiten, in denen Politiker in der Hoffnung auf eine Handvoll Wählerstimmen vor Bettelverboten nicht zurückschrecken, ein Kunst-Kommentar von großer Aktualität. WT

Wendelin Pressl. Bis 30. April. KHG-Galerie, Graz, Leechgaase 24. www.khg-graz.at

SCHAFSCHETZY

Text-Bilder. In ihrer bereits dritten Personale bei Schafschetzy zeigt die Linzerin Christa Mayrhofer Unikathochdrucke, die Bild und Text vereinen. Tiere, immer wieder Motiv in der Kunst der Damisch-Schülerin, sind vignettenhaft und detaillierter ausgeführt Teil von Kompositionen aus Textfragmenten vielfältiger Provenienz, vom Lied bis zum Zeitungsartikel. In unterschiedlich vielen Schichten aufgebrachte Farben und mannigfaltige Typografien fügen sich zu höchst ästhetischen Tableaus. WT Christa Mayrhofer. Bis 26. März. Galerie Schafschetzy, Graz, Färbergasse 2. galerie-schafschetzy.com

WALTER TITZ


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Fakten

Norbert Trummer, geboren 1962 in Leibnitz; Studium an der Akademie der bildenden Künste Wien; zahlreiche Ausstellungen; mehrere Bücher und Buch- projekte mit Bodo Hell und Franzobel; Filme und CDs.

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