Die Schachtel im Haus . . .
Von Claudia Aigner
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. . erspart den Psychiater. Aber dazu später. Wer ist das: Als Frühstück
verspeist er, noch bevor er zum Bundesheer geht, 133 Hendln, zu Mittag und
bis in den späteren Nachmittag hinein verschleißt er dann 80 Reifen und am
Abend beißt er, nachdem er 48 Fässer Heizöl verheizt hat, ins Gras? Ein
Mensch, der sich an eine ganz blöde Statistik hält. Gerhard Treml
(einer von den neuen Mitgliedern der "IG Bildende Kunst", die sich bis 2.
März in der Gumpendorfer Straße 10-12 vorstellen) hat es zweifellos das
Perverse an Statistiken angetan. In einer dreiteiligen Fotoserie zu
Kindheit, Erwachsenenzeit und Alter konfrontiert er die Leute mit ihrem
kompletten Pro-Kopf-Verbrauch an einem jeweils ausgewählten Produkt. (Pro
Lebensabschnitt, nicht pro Jahr.) Überzeugend abstrus und komisch, wie bei
ihm der Pensionist so überfordert zwischen all den Fässern steht.
Boshafter Humor oder wenigstens Irritation zieht sich überhaupt durch
die großteils erfreuliche Schau. Bis zur absurden Banalität prescht
Christian Tinkhauser Thurner vor: Die Schachtel im Haus erspart den
Psychiater (zumindest das Antidepressivum). Wie sie wirkt? Man kommt
geschafft und depressiv heim und muss dann nur den Kopf in die Schachtel
reinstecken und kann da drin dann einfach abschalten. Aber seien wir
ehrlich: Ohne das schlichte, aber gute Verpackungsdesign wäre die
Schachtel ziemlich primitiv. Katrina Schmidl und Christof Katzler ist
ein exzentrisches Objekt zwischen Kunst und Design gelungen, das durchaus
das Potenzial zur Brauchbarkeit hat. Was locker ein "künstlicher
Darmausgang für Angeber" sein könnte, den man sich hinten raushängen
lässt, soll in Wirklichkeit eine "verlängerte Wirbelsäule" sein, die man
sich umschnallt und auf die man sich bei Bedarf draufsetzt (wie auf einen
einbeinigen Hocker). Dass heutzutage ja eh wieder alles erlaubt ist,
sogar die Perfektion, zeigt Matthias Bade, der sich traut, ein
fotorealistisches Selbstporträt auf die Kunstwelt loszulassen. (Und ich
werde mich bestimmt nicht genieren, dass mir das gefällt.) Und Karin Frank
hat den beiden "personenkultigsten" Stars diesseits und jenseits des
Atlantiks, Andy Warhol und Joseph Beuys, mit Holzfigürchen kleine
Denkmäler geschnitzt. Sympathisch porträttreu. Beuys hat ja immer so
ausgesehen, als wäre er ständig beim Überlebenstraining, und Warhol, als
wäre er dauernd beim Friseur. Passend: Andys Sockel ist in poppigen Plüsch
gewickelt und Josephs Sockel in Filz. (Der Wildwest-Deutsche ist
bekanntlich gern, vergleichbar mit einer Schinkenrolle, als leibhaftige
"Filzrolle" aufgetreten). Eine ziemlich wilde Mischung, diese Ausstellung.
Erschienen am: 13.02.2001 |
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