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09.05.2003 - Ausstellung
Vorreiterrolle
Am 2. Mai 1903 wurde in Wien die „Moderne Galerie“ als Vorläuferin der „Österreichischen Galerie im Belvedere“ eröffnet. Sein 100-jähriges Jubiläum begeht das Museum nun mit einer Fotodokumen­tation und einer Reihe sehenswerter Ausstellungen.
Von Johanna Hofleitner


Dieser Tage wurde Gerbert Frodl, Direktor der Österreichischen Galerie, mit dem „OscArt“ des Wiener Kunsthandels ausgezeichnet. Die Jury begründete ihre Entscheidung mit dem kunstvermittelnden Engagement der Österreichischen Galerie auf dem Gebiet der Ausstellungskataloge. Frodl tut damit eigentlich nichts, was ihm nicht in die Wiege gelegt worden wäre: Er dokumentiert die Ausstellungstätigkeit seines Hauses. Und er steht damit in bester 100-jähriger Tradition.

Schon zur Eröffnungsausstellung der „Modernen Galerie“, deren Vernissage am 2. Mai 1903 stattfand, war ein gedruckter Katalog erschienen, in dem 196 ausgestellte Objekte abgebildet waren. Dokumentiert wurden jene Gemälde, Aquarelle, Zeichnungen und Skulpturen, die das „k.k. Ministerium für Cultus und Unterricht“ seit Mitte des 19. Jahrhunderts gesammelt hatte. Als Fotograf fungierte Josef Löwy, der sich seinen Namen vor allem durch Experimentierfreudigkeit in den Bereichen Porträt, Akt und Industrieansicht gemacht hatte. 

Dokumentarausstellung … Der Katalog der Eröffnungsausstellung ist nun Vorlage für eine Fotodokumentation der Erstaufstellung der staatlichen Kunstsammlung im Unteren Belvedere. Deren Ursprünge gehen auf eine Forderung des prominenten Malers Carl Moll (1861 –1945) sowie des k.k. Unterrichtsministers Wilhelm Ritter von Hartel zurück. Wie zuvor schon Theodor von Hörmann forderten sie seit den 1890er-Jahren eine „Moderne Galerie“ nach Pariser Vorbild. Am 12. April 1901 klagte der Maler in einem Brief an den Minister: „Paris besitzt neben den historischen Sammlungen des Louvre im Musée du Luxembourg eine imposante Vereinigung der Meisterwerke der Jetztzeit. München neben der Alten die Neue Pinakothek, Hamburg seine Kunsthalle, jede Stadt Deutschlands sein Museum, seine internationale Sammlung von Kunstwerken unserer Zeit. Wien entbehrt dieser wichtigsten Grundlage für sein Kunstleben. Die Gemäldegalerie des allerhöchsten Kaiserhauses trägt einen fast ausschließlich historischen Charakter, eine staatliche Galerie besitzen wir nicht.“ Schrieb’s – und wurde erhört.

Am 20. Juni 1901 bewilligte Kaiser Franz Joseph I. die Pläne. An der Gestaltung der Ausstellung beteiligten sich die fortschrittlichen Wiener Künstler, allen voran die Secessionisten, maßgeblich. Die Erstausstattung war explizit international und umfasste Werke von Segantini, van Gogh, Rodin. Als Gegenpol zur historischen Sammlung des Kaiserhauses sollte ein „Stimmungsimpressionismus“, wie ihn Schindler und Hörmann vertraten, international gefestigt werden.

Im Mittelpunkt der Ausstellung standen daher Hauptwerke Max Klingers ebenso wie Werke von Monet, Rodin, Meunier und Meissonier. Dazu kamen Arbeiten der Deutschen Feuerbach, Marées, Böcklin, Liebermann, Stuck u. a. sowie der Österreicher Führich, Schwind, Danhauser, Waldmüller, Pettenkofen, Blau, Schindler, Hörmann, Jettel, Alt, Markart, Moll und Klimt.

Friedrich von Amerling (1803 - 1887): Erzherzog Franz Joseph 1838 (Erzherzog Franz Ferdinand Museum, Schloss Artstetten)… und aktuelle Projekte. Mit der großen Friedrich von Amerling-Personale wird hingegen einer der Starporträtisten des 19. Jahrhunderts erst über 100 Jahre nach seinem Tod umfassend gewürdigt. Neben den repräsentativen Porträts gilt das Augenmerk vor allem Amerlings Selbstporträts und Genredarstellung.
Eine wunderbare Ausstellung findet schließlich, last but not least, im Atelier Augarten statt: „Trauer“ versammelt Werke zeitgenössischer Künstler, die sich in ihrer Arbeit mit den Phänomenen Verlust, Enttäuschung, Trauer auseinandersetzen. Melancholisch schön!


Ausstellungsüberblick

Unteres Belvedere: „Die ,Moderne Galerie‘ im Unteren Belvedere als Keimzelle der Österreichischen Galerie Belvedere. Eine Fotodokumentation der Erstaufstellung 1903“. Bis 2. 11. 

Oberes Belvedere: „Friedrich von Amerling 1803–1887“. Bis 22. 6.
„Eduard Angeli: Bilder 1998–2003“, 10. 9.–23. 11. Typisch für Angelis Bilder ist ein Schwebe­zustand, der sich teils aus Farbstimmungen heraus entwickelt, teils aus dem Materialcharakter der Juteleinwand resultiert. In den letzten Jahren wurde für ihn die Lagune von Venedig – Stadt, Luft und Wasser – zu einem wichtigen Motiv. Eine andere Serie demonstriert die Entwicklung des Bildes von der Raumbühne hin zur „flachen, schattig-dunklen Bühnenwand“, aus der Eisenstangen, Drähte und andere Gegenstände bedrohlich herausragen.
„Anne Hausner: Natur und Struktur. Gemälde und Fotografien“, 17. 9.–23. 11. Oberflächen und Strukturen sind für Anne Hausner wichtig. Thematisches Zentrum ihrer jüngsten Serien ist die Natur: Erde, Gestein, Feuer, Luft, Wasser. In Malerei wie auch Fotografie wird Natur zur Metapher für Chaos und Ordnung.

Atelier Augarten:  „Trauer“. Bis 27. 7.
Info: 01/79 557-134
http://www.belvedere.at/



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