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Dieser Tage wurde Gerbert Frodl, Direktor der Österreichischen Galerie,
mit dem „OscArt“ des Wiener Kunsthandels ausgezeichnet. Die Jury
begründete ihre Entscheidung mit dem kunstvermittelnden Engagement der
Österreichischen Galerie auf dem Gebiet der Ausstellungskataloge. Frodl
tut damit eigentlich nichts, was ihm nicht in die Wiege gelegt worden
wäre: Er dokumentiert die Ausstellungstätigkeit seines Hauses. Und er
steht damit in bester 100-jähriger Tradition.
Schon zur
Eröffnungsausstellung der „Modernen Galerie“, deren Vernissage am 2. Mai
1903 stattfand, war ein gedruckter Katalog erschienen, in dem 196
ausgestellte Objekte abgebildet waren. Dokumentiert wurden jene Gemälde,
Aquarelle, Zeichnungen und Skulpturen, die das „k.k. Ministerium für
Cultus und Unterricht“ seit Mitte des 19. Jahrhunderts gesammelt hatte.
Als Fotograf fungierte Josef Löwy, der sich seinen Namen vor allem durch
Experimentierfreudigkeit in den Bereichen Porträt, Akt und
Industrieansicht gemacht hatte.
Dokumentarausstellung … Der Katalog der
Eröffnungsausstellung ist nun Vorlage für eine Fotodokumentation der
Erstaufstellung der staatlichen Kunstsammlung im Unteren Belvedere. Deren
Ursprünge gehen auf eine Forderung des prominenten Malers Carl Moll (1861
–1945) sowie des k.k. Unterrichtsministers Wilhelm Ritter von Hartel
zurück. Wie zuvor schon Theodor von Hörmann forderten sie seit den
1890er-Jahren eine „Moderne Galerie“ nach Pariser Vorbild. Am 12. April
1901 klagte der Maler in einem Brief an den Minister: „Paris besitzt neben
den historischen Sammlungen des Louvre im Musée du Luxembourg eine
imposante Vereinigung der Meisterwerke der Jetztzeit. München neben der
Alten die Neue Pinakothek, Hamburg seine Kunsthalle, jede Stadt
Deutschlands sein Museum, seine internationale Sammlung von Kunstwerken
unserer Zeit. Wien entbehrt dieser wichtigsten Grundlage für sein
Kunstleben. Die Gemäldegalerie des allerhöchsten Kaiserhauses trägt einen
fast ausschließlich historischen Charakter, eine staatliche Galerie
besitzen wir nicht.“ Schrieb’s – und wurde erhört.
Am 20. Juni
1901 bewilligte Kaiser Franz Joseph I. die Pläne. An der Gestaltung der
Ausstellung beteiligten sich die fortschrittlichen Wiener Künstler, allen
voran die Secessionisten, maßgeblich. Die Erstausstattung war explizit
international und umfasste Werke von Segantini, van Gogh, Rodin. Als
Gegenpol zur historischen Sammlung des Kaiserhauses sollte ein
„Stimmungsimpressionismus“, wie ihn Schindler und Hörmann vertraten,
international gefestigt werden.
Im Mittelpunkt der Ausstellung
standen daher Hauptwerke Max Klingers ebenso wie Werke von Monet, Rodin,
Meunier und Meissonier. Dazu kamen Arbeiten der Deutschen Feuerbach,
Marées, Böcklin, Liebermann, Stuck u. a. sowie der Österreicher Führich,
Schwind, Danhauser, Waldmüller, Pettenkofen, Blau, Schindler, Hörmann,
Jettel, Alt, Markart, Moll und Klimt.
… und aktuelle
Projekte. Mit der großen Friedrich von Amerling-Personale wird
hingegen einer der Starporträtisten des 19. Jahrhunderts erst über 100
Jahre nach seinem Tod umfassend gewürdigt. Neben den repräsentativen
Porträts gilt das Augenmerk vor allem Amerlings Selbstporträts und
Genredarstellung. Eine wunderbare Ausstellung findet schließlich, last
but not least, im Atelier Augarten statt: „Trauer“ versammelt Werke
zeitgenössischer Künstler, die sich in ihrer Arbeit mit den Phänomenen
Verlust, Enttäuschung, Trauer auseinandersetzen. Melancholisch schön!
Ausstellungsüberblick
Unteres Belvedere: „Die ,Moderne Galerie‘ im Unteren
Belvedere als Keimzelle der Österreichischen Galerie Belvedere. Eine
Fotodokumentation der Erstaufstellung 1903“. Bis 2. 11.
Oberes Belvedere: „Friedrich von Amerling
1803–1887“. Bis 22. 6. „Eduard Angeli: Bilder 1998–2003“, 10.
9.–23. 11. Typisch für Angelis Bilder ist ein Schwebezustand,
der sich teils aus Farbstimmungen heraus entwickelt, teils aus dem
Materialcharakter der Juteleinwand resultiert. In den letzten Jahren wurde
für ihn die Lagune von Venedig – Stadt, Luft und Wasser – zu einem
wichtigen Motiv. Eine andere Serie demonstriert die Entwicklung des Bildes
von der Raumbühne hin zur „flachen, schattig-dunklen Bühnenwand“, aus der
Eisenstangen, Drähte und andere Gegenstände bedrohlich
herausragen. „Anne Hausner: Natur und Struktur. Gemälde und
Fotografien“, 17. 9.–23. 11. Oberflächen und Strukturen sind für Anne
Hausner wichtig. Thematisches Zentrum ihrer jüngsten Serien ist die Natur:
Erde, Gestein, Feuer, Luft, Wasser. In Malerei wie auch Fotografie wird
Natur zur Metapher für Chaos und Ordnung.
Atelier
Augarten: „Trauer“. Bis 27. 7. Info: 01/79 557-134 http://www.belvedere.at/
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