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Grazer Kunsthaus: Tausende stürmten die "blaue Blase"

Das neue Grazer Kunsthaus hat am Samstagvormittag hochoffiziell seine Tore geöffnet - und mehrere tausend Besucher ließen sich die Gelegenheit nicht entgehen, eine Gratisführung durch das Innere eines der neuen Grazer Wahrzeichen zu bekommen.

Graz (APA) - Mehr als 10.000 Interessierte haben sich rechtzeitig Karten gesichert, um dem laut Architektenduo Colin Fournier und Peter Cook "friendly alien" zu begegnen. Namen für das Kunsthaus gibt es mittlerweile viele: Alien, Kunstigel, blaue Wolke - den Grazern selbst dürfte jedoch "Blase" am besten gefallen.

Dass vom ursprünglichen Konzept der Blickdurchlässigkeit nichts geblieben ist, störte kaum einen der tausenden Besucher, die über zuvor gratis ausgegebene Zählkarten erfasst und über ein Leitsystem mit vier färbigen Schleusen in Gruppen ins Innere des "Bubble" geführt wurden. Trotz der großen Besucherzahl kam es kaum zu Staus vor den Eingängen - die Organisation war vorbildlich.

Verlegt wurden 1.068 spezielle blaue Acrylglasplatten, die von rund 900 Neonröhren erleuchtet werden. Die Leuchtkörper sollen auch zum Transportieren von Formen und Botschaften dienen. Die kreisrunden aus der Gebäudeoberfläche ragenden Noppen ("Nozzels") als Lichtöffnungen sollten ursprünglich Tageslicht in die Ausstellungsräume leiten, worauf man aus Kostengründen allerdings verzichten musste. Architekt Colin Fournier: "Das fertige Produkt entspricht vom Grund her der Idee, von der wir ausgegangen sind."

Dieses wirkt kaum als Fremdkörper zwischen den barocken und gründerzeitlichen Häusern in der Umgebung. Gegen das östliche Murufer hin verbergen Bäume eine Großteil des "Alien", Richtung Südtiroler Platz sind die ins Kunsthaus integrierten Teile des so genannten "Eisernen Hauses" dominierend. "Lediglich von Norden her, vom Schlossberg aus gesehen oder aus unmittelbarer Nähe, wirkt die blaue Blase wuchtig", so ein Passant. Und nimmt ihre Nachbargebäude förmlich in sich auf: In den verschiedenen Winkeln des Glases spiegeln sich die Altstadthäuser.

"Ein Höhepunkt eines jeden Kunsthaus-Besuches wird der Ausblick von der gläsernen Brücke - "Needle" genannt - auf die blaue Außenhaut und die Stadt sein", ist sich Herbert Zawarty aus Deutschland sicher. Das Kunsthaus aus Acryl und Stahl war am Samstag jedenfalls Magnet: Jede Menge Besucher hatten ihre Kamerastative am Lendkai aufgebaut, um bei bestem, mildem Herbstlicht die "Blase" aus Bild zu bannen.
Verschmolzen mit dem "Eisernen Haus", in dem sich nun die Räume der "Camera Austria" befinden, wurde das Kunsthaus in eineinhalbjähriger Bauzeit errichtet. Als Budget wurden zunächst 43,6 Mio. Euro veranschlagt, im Sommer wurden von der Stadt Graz noch zwei Mio. Euro zusätzlich bewilligt.
2003-09-27 14:06:42