BA-CA-Kunstforum Wien: Willem de Kooning
Die wilden Gesten des "fliegenden Holländers"
Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer Gabriel Ramin Schor nennt den
Maler Willem de Kooning (1904-1997) in seinem Katalogbeitrag den
"fliegenden Holländer". Der Künstler stammte aus Rotterdam, und da er in
Österreich noch keine Retrospektive hatte, widmet das Kunstforum diesem
Hauptmeister des amerikanischen abstrakten Expressionismus eine große
Ausstellung zum 100. Geburtstag.
Aus der Schwierigkeit, genügend Gemälde eines
Superstars aus großen Museen zu bekommen, machte Kurator Florian
Steininger eine Tugend: Er hat nicht nur die eigenständigen und
interessanten Zeichnungen angeschlossen, sondern zeigt auch die Folgen
dieser Malerei für die Kollegenschaft in Amerika und Europa.
Der Traum vom Künstler
Willem de Kooning bedient den
großen Traum Vieler in der Kunst: Vom Schildermaler und Anstreicher zum
großen Vorbild in der Kunstszene. 1926 reiste er illegal in die USA ein,
erst 1962 wurde er US-Staatsbürger; deshalb hatte er auch Schwierigkeiten,
während des Zweiten Weltkriegs am Unterstützungsprogramm von Präsident
Roosevelt für Künstler Teil zu haben. Karriere machte er dennoch,
gefördert vom später tragisch aus dem Leben scheidenden Arshile Gorky, der
so etwas wie ein Angelpunkt zwischen Europa und Amerika war. Die anderen
Einflüsse kamen noch von Picasso oder Miró, mit denen er auch bald
gemeinsame Ausstellungen bestritt, unterstützt von den bekanntesten
Kritikern wie Harald Rosenberg. Mit Pollock und Crasner war de Kooning
- trotz der Konkurrenzsituation - ebenso befreundet wie mit Gottlieb,
Rothko oder Motherwell: Man stellte gemeinsam aus. Für die Weltausstellung
in New York 1939 wurde de Kooning mit dem Wandbild "Medicine" beauftragt.
Figur und Abstraktion
De Koonings Stil bleibt immer
Geste, zwischen der Figur und der gegenstandslosen Abstraktion. Die frühen
Orientierungen an Gorky und Miró wechseln schnell zu einer kalligrafischen
Schwarz-Weiß-Schrift des Pinsels. Besonders bekannt ist er für seine
"Woman"-Serien, die sich im Lauf der Jahrzehnte in drei Phasen verändert
haben. Freilich geht ihnen die Schönheit der Pop-Art-Warenwelt ab. Die
Ästhetik des Hässlichen, des Verwischens mit wilder Geste, die teilweise
schrillen Farbkontraste machen aus seinen Monroes äußerst eigenwillige und
eckige Wesen.
Schaffen trotz Erkrankung
Zwischen
Figuration und Gegenstandslosigkeit steht de Kooning bis ins Alter, das
durch eine schwere Alzheimer-Erkrankung getrübt wurde. Dennoch hat Willem
de Kooning noch gemalt: Nachdem in den frühen 80er Jahren sogar
Ähnlichkeiten mit Gerhard Richter in flockig breiten Pinselstrichen zu
finden sind, kehrt am Schluss die grafische Linie, ganz klar und wie ein
rundes Schriftornament in sein Werk zurück. Dieses in der Doppelbedeutung
"gezeichnete" Spätwerk, mit Retrospektiven auf die Frühzeit, unter dem
Einfluss von Gorky, ist wenig bekannt, aber sehr berührend. In den
Räumen mit den Nachfolgern sind Andy Warhol und Brice Marden, Gerhard
Richter, Sue Willams, der interessante Robert Zandvliet und andere zu
finden. Es wäre gedanklich auch eine Österreicherin, nämlich Martha
Jungwirth, anzuschließen. Im Katalog (gemeinsam mit der Kunsthal von
Rotterdam, wo die Schau ab April zu sehen ist), schreibt neben Schor und
Steininger auch Stefan Neuner.
Erschienen am: 14.01.2005 |
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