ARIANE GRABHER
Feldkirch (VN) Formen, klar umrissen und gleichzeitig in
Auflösung begriffen, Zeichen, genau gesetzt und vage hingekritzelt,
bevölkern die neuen Malereien von Günter Bucher. In der Galerie
Sechzig zeigt er unter dem Titel "Transfer" einen aktuellen
Schaffensausschnitt.
Zentrales Thema der Mischtechniken auf Papier ist der dem Dichter
Vergil gewidmete, in Anlehnung an Hermann Brochs Buch entstandene
Zyklus "Der Tod des V." Symptomatisch und stellvertretend für andere
Momente ortet der Künstler hier, wo sich der Dichter an der Schwelle
zum bevorstehenden Tod sein Leben noch einmal in Erinnerung ruft,
einen Augenblick des Übertritts. Über diesen direkten thematischen
Bezug hinaus ist die Transformation, die Verwandlung, eines der
wiederkehrenden Motive im Schaffen von Bucher.
Umgesetzt in wandelbaren Formen, die viele Andockungspunkte
bieten und die Auflösung des Körperlichen in andere Sphären
vorwegnehmen, hat der Künstler sein Werk in den letzten Jahren
entschieden in Richtung einer eigenständigen Bildsprache entwickelt.
Von der Form zur Un-Form gelangend, vom Morphologischen zum
Amorphen, schließt das Phallische das Mütterliche mit ein, die
Symmetrie wird durch das Asymmetrische zerstört, das Fantastische
verschränkt sich mit dem Realen und das Offene tritt in Kontakt mit
dem Geschlossenen.
Vorstellung von Leere
Formen werden angerissen, doch noch bevor sie sich der Betrachter
zu Ende denken kann, entziehen sie sich schon wieder oder sind
bereits zu etwas anderem geworden. In diesem fließenden
Bedeutungskontinuum kommt auch der Vorstellung von der Leere eine
wesentliche Funktion zu.
Dass das Herz des Künstlers an der Zeichnung hängt, findet in
einem Wechselspiel von Malgrund und grafischskriptoralen Elementen,
die ein starkes Eigenleben im Bild führen, immer wieder Ausdruck.