Der Grafiker, Fotograf und Filmemacher Rudolf
Klaffenböck (Jahrgang 1952) ist in Passau auch durch seine Kabaretts aus
den 80er Jahren eine bekannte Größe. Unaufgearbeitete Vergangenheit,
Katholizismus und Bayerns Einheitspartei stecken auf der Spitze seiner
Lanze im Wortgefecht. In Oberammergau ist er beim Filmen der
Passionsspiele als falscher Christus sogar ins Gefängnis gewandert.
Nun widmete er sich über Jahre einem einzigen geschichtsträchtigen Bau
seiner Heimatstadt: Der Nibelungenhalle.
1934/35 als größter Kult- und Zweckbau der „Bayerischen Ostmark“
gebaut, sollte sie eigentlich „Ostmarkhalle“ heißen, doch die Nibelungen
waren stärker. Im Volksmund entstand der Ausdruck „Niha“.
Mehrzweckhalle mit Geschichte
Die CDU-Aschermittwochs-Veranstaltungen unter Franz Josef Strauss waren
dort legendär, leider blieb sie auch Anziehungspunkt der Rechtsextremen -
ein Fassungsvermögen von 10.000 Menschen bot aber auch Konzerten (Udo
Jürgens, Joe Cocker u.a.) sowie Erotikmessen, Christkindlmärkten und mehr
Platz. 2004 wurde der verfallende Mehrzweckbau mit Vergangenheit
abgerissen.
Klaffenböck hat nicht nur die letzten zehn Jahre und das Ende
dokumentiert, er hat liebevoll Details festgehalten und gesammelt und
inszenierte ein Selbstbild auf einer kahlen Seitenbühne.
Zu den Schwarzweißfotos kommt daher eine Installation dieser
mittlerweile zu Artefakten aufgestiegenen Sammelstücke: Decken, Stühle,
Plakate, Bierhumpen, Lautsprecher, Krankenliegen versuchen nun im Museum,
das Passauer Gedächtnis wach zu halten. Sollte dabei Manches im Nachhinein
aufgerüttelt werden, ist das durchaus intendiert.
Bis 5. März sind die zum Teil skurrilen Kombinationen im Museum
arrangiert. Sie stellen die Kleinheit eines Mikrokosmos zur ehemaligen
Monumentalität dieses Raumes her, und manchmal ist auch die Grenze zur
Fiktion schon ganz nahe. Der große Fotoband macht das ungeliebte
Zeitdenkmal zur kulturgeschichtlichen Reise für die Zeit danach.
Nibelungenhalle.
Museum Moderner Kunst-Stiftung Wörlen
(Kurator Hans-Peter Wipplinger)
Passau, Bräugasse 17,
bis 5. März
Kulturgeschichtliches Mahnmal
Freitag, 03. Februar
2006