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Kunstberichte

Erinnerung in Foto und Fundstück

Museum moderner Kunst in Passau: Rudolf Klaffenböck dokumentiert und kommentiert die Nibelungenhalle
Trümmer der 2004 abgerissenen Nibelungenhalle in Passau verwandelt Rudolf Klaffenböck in eine Installation.  Foto: Museum Moderner Kunst – Stiftung Wörlen

Trümmer der 2004 abgerissenen Nibelungenhalle in Passau verwandelt Rudolf Klaffenböck in eine Installation. Foto: Museum Moderner Kunst – Stiftung Wörlen

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Der Grafiker, Fotograf und Filmemacher Rudolf Klaffenböck (Jahrgang 1952) ist in Passau auch durch seine Kabaretts aus den 80er Jahren eine bekannte Größe. Unaufgearbeitete Vergangenheit, Katholizismus und Bayerns Einheitspartei stecken auf der Spitze seiner Lanze im Wortgefecht. In Oberammergau ist er beim Filmen der Passionsspiele als falscher Christus sogar ins Gefängnis gewandert.

Nun widmete er sich über Jahre einem einzigen geschichtsträchtigen Bau seiner Heimatstadt: Der Nibelungenhalle.

1934/35 als größter Kult- und Zweckbau der „Bayerischen Ostmark“ gebaut, sollte sie eigentlich „Ostmarkhalle“ heißen, doch die Nibelungen waren stärker. Im Volksmund entstand der Ausdruck „Niha“.

Mehrzweckhalle mit Geschichte

Die CDU-Aschermittwochs-Veranstaltungen unter Franz Josef Strauss waren dort legendär, leider blieb sie auch Anziehungspunkt der Rechtsextremen - ein Fassungsvermögen von 10.000 Menschen bot aber auch Konzerten (Udo Jürgens, Joe Cocker u.a.) sowie Erotikmessen, Christkindlmärkten und mehr Platz. 2004 wurde der verfallende Mehrzweckbau mit Vergangenheit abgerissen.

Klaffenböck hat nicht nur die letzten zehn Jahre und das Ende dokumentiert, er hat liebevoll Details festgehalten und gesammelt und inszenierte ein Selbstbild auf einer kahlen Seitenbühne.

Zu den Schwarzweißfotos kommt daher eine Installation dieser mittlerweile zu Artefakten aufgestiegenen Sammelstücke: Decken, Stühle, Plakate, Bierhumpen, Lautsprecher, Krankenliegen versuchen nun im Museum, das Passauer Gedächtnis wach zu halten. Sollte dabei Manches im Nachhinein aufgerüttelt werden, ist das durchaus intendiert.

Bis 5. März sind die zum Teil skurrilen Kombinationen im Museum arrangiert. Sie stellen die Kleinheit eines Mikrokosmos zur ehemaligen Monumentalität dieses Raumes her, und manchmal ist auch die Grenze zur Fiktion schon ganz nahe. Der große Fotoband macht das ungeliebte Zeitdenkmal zur kulturgeschichtlichen Reise für die Zeit danach.

Nibelungenhalle.

Museum Moderner Kunst-Stiftung Wörlen

(Kurator Hans-Peter Wipplinger)

Passau, Bräugasse 17,

bis 5. März

Kulturgeschichtliches Mahnmal

Freitag, 03. Februar 2006


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