

"Strange Allibert": Das Modell Allibelle findet bei Markus Wilfling zu spiegelnder, aber zerrissener neuer Existenz
Wenn man den Titel der Gemeinschaftsausstellung "Michael Kienzer vs Markus Wilfling" ganz unmittelbar und banal verstehen möchte, manifestiert sich dieses "versus" in einem fast raumhohen Gitter: ein Gitter, das allerdings nur auf den ersten Blick raum- und künstlertrennende Funktionen erfüllt.
Markus Wilfling (geb. 1966) hat einfache Industrieroste aus ihrem horizontalen Dasein befreit und zu einer senkrechten Installation verbunden. Stets bemüht, den Betrachter in seiner Wahrnehmung herauszufordern, lenkt Wilfling die Aufmerksamkeit auf den Wechsel zwischen der offenen und geschlossenen Struktur. Im Vorbeigehen kippt die spiegelnde, undurchdringliche Oberfläche des Metalls in eine rasternde Durchsicht und wieder zurück. Wilfling zwingt zum Standpunktwechsel - in mehr als nur einer Bedeutung. Dieses Bugsieren in unsichere, unklare Positionen findet auch in vielen Arbeiten Michael Kienzers (geb. 1962) statt.
In seiner jüngsten Arbeit für den öffentlichen Raum (Plattform im steirischen Retznei) lockt Kienzer die Leute auf schwankenden Boden: eine - je nach persönlichem Befinden - beschwingte oder gar bedrohliche Erfahrung.
Diese Form von Unentschiedenheit findet sich auch in Kienzers auf vier rot-grünen Radiergummis aufgelagerten Aluminiumrohren (Abfallprodukte industrieller Fertigung). Die Radiergummis erinnern ein wenig an die Gummiklötze, die beim Aufbau von Ausstellungen zum behutsamen, federnden Abstellen edler Rahmenware verwendet werden. Sie verweisen also auf einen Zustand des noch nicht fix Installierten - auf das Provisorische, das bereits im ironischen Titel Skizze Vol. 14 angedeutet wird. Gegenüber fläzt ein zerschnittener Allibert von Wilfling auf dem Fensterbrett und entlockt dem Betrachter ein breites Grinsen. Versus? Freilich eint Kienzers und Wilflings Werk mehr, als es trennt: neben Humor und Ironie auch der Umgang mit dem Material, dessen Qualitäten in den Vordergrund treten. (kafe / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 3.12.2009)
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