| Vergangenheit & Gegenwart | |
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Ernst Hilger zeigt den skandinavischen Pop-Art-Künstler Erró in
seiner Galerie und das Kunstprojekt "Bewegung - Stillstand" im "Siemens
artlab". |
Die Vorliebe des Wiener Galeristen Ernst Hilger für Kunst mit
Engagement ist bekannt. Nicht zuletzt deshalb ist die Galerie auch das
Zuhause bekennender politischer Köpfe wie Alfred Hrdlicka. In seiner
jüngsten Ausstellung zeigt Hilger einen anderen seiner Favoriten: den in
Island geborenen und in Paris lebenden Pop-Art-Künstler Erró. Er ist mit
seinen großformatigen Gemälden, die Klischeebilder verschiedenster
Kulturen mischen, bereits in den 60er Jahren berühmt geworden. Erró gilt
als Vater der europäischen Pop-Art und verleiht seinen kunterbunten
Comic-Images immer einen Schuss Gesellschaftskritik.
Vor wenigen Jahren zeigte der isländische Pop-Art-Künstler seine
riesigen Gemälde im Museum Moderner Kunst in Wien. Eines davon soll auch
jetzt im neuen Museumsquartier zu Dauerausstellungsehren kommen. Grundlage
für diese immer ironisch-kritischen Vermischungen westlicher und östlicher
Bilder-Klischees wie z.B. "Mao vor dem Markusdom in Venedig" sind
Collagen. Penibel ausgeschnittene Fotos aus Zeitschriften oder Zeichnungen
aus Comics. Ernst Hilger spricht diesen Collagen des, in Paris lebenden,
Künstlers besondere Zeitgenossenschaft zu. Politischer Pop-Künstler
"Für mich ist erstens der politische Anspruch von Kunst immer sehr
wichtig gewesen. Das ist sicher einer der ganz wesentlichen Gründe, warum
mich das Werk von Alfred Hrdlicka so fasziniert. Nun ist Erró - könnte man
fast sagen - der politischste Pop-Künstler. Er hat, als er Ende der 50er
Jahre von Island nach Paris gekommen ist, ganz bewusst versucht, mit
seinen Collagen Zeitbilder darzustellen. Natürlich hat das heute, wo
gerade die 68er wieder stark diskutiert werden, eine unglaubliche
Aktualität", erklärt der Galerist. Besonders aufgefallen ist Erró in den 60er Jahren, als er in die
Interieurs hübscher amerikanischer Wohnzimmer Fotos aus China oder vom
Vietnamkrieg klebte. Das entsetzliche Bild einer verbrannten Mutter mit
Baby etwa hinter der heimeligen Wohnlandschaft. Ein visionäres Werk
angesichts der heutigen Fernseh-Live-Berichterstattung von den
Katastrophenschauplätzen aus aller Welt. Sein Ausdrucksmittel war aber
auch Vorbild für viele junge Künstler, die im vergangenen Jahrzehnt wieder
mehr politisches Bewusstsein in ihren Arbeiten zuließen, so Hilger. Politischer Vater "Da gibt es überall Quellen, die stark zu tun haben mit
Konsumorientierung und auch mit Konsumkritik. Denken Sie etwa an Erwin
Wurm und sein großes, fettes Auto in Basel, da sind überall
Querverbindungen vorhanden. Und so besehen ist Erró sozusagen der
europäische politische Vater", meint Ernst Hilger.
Berühmt ist Erró für seine Auseinandersetzung mit der Zeichensprache
des sozialistischen Realismus. Da treffen in seinen Arbeiten chinesische,
russische oder vietnamesische Plakatmotive, die den Sozialismus
verherrlichen, auf die bunte Konsumsprache der Pop-Art. Intellektuelle und
Künstler wie Erró im Paris der 70er Jahre haben dem Kommunismus noch viele
Sympathien entgegengebracht. Haben nicht gewusst, was gespielt wird Das kommentierte Erró bei seinem letzten Wien-Aufenthalt so: "Mao war
eine Zeit lang wie ein Held für uns. Wir haben ja nicht gewusst, was
hinter dem Vorhang gespielt wird. Genauso war es mit den anderen Typen.
Auch bei Stalin hatten wir nichts von den Gulags vermutet. Meine Bilder
sind daher sehr friedliche Bilder. Ich habe sie gemacht, weil mir das
Material so gefallen hat. Diese Propaganda-Plakate in dem realistischen
Stil, der sich am russischen Realismus orientiert." Philosophisches und Psychologisches Mehr um Philosophisches und Wahrnehmungspsychologisches geht es in der
zweiten Schau, die am Donnerstagabend eröffnet wird. Im "Siemens artLab",
das Hilger gemeinsam mit Siemens Österreich betreibt, zeigen 14 junge
Künstler aus verschiedenen Ländern ihre Studien zum Thema "Bewegung -
Stillstand". Dokumentiert wird das Projekt von Doris Mayer und Silke
Maier, die im Dreieck Warschau-Krakau-Wien internationale Zusammenarbeit
initiierten. Tipp:
"Erró - Les années Pop", Collagen 1958-2001", Galerie Ernst Hilger, Dauer der Ausstellung bis 22. September 2001. | ||||||||||