In Duchamps Fußstapfen

Dem 81-jährigen britischen Pop-Art-Künstler Richard Hamilton widmet das Museum Ludwig Köln eine umfassende Retrospektive.


Er ist wohl einer der großen, alten Herrn der Kunst des 20. Jahrhunderts. Berühmt wurde der 1922 in London geborene Richard Hamilton mit seiner Collage "Was ist es was unsere Wohnungen so anders, so anziehend macht?" für die Ausstellung "This is tomorrow" in der Whitechapel-Gallery von 1956.

"Was ist es, das unsere heutigen Wohnungen so anders, so anziehend macht?" / ©Bild: Richard Hamilton

Inkunabel

In jenem Poster, das ihn weltberühmt machen sollte, versammelte er Ikonen der Populärkultur der 50er Jahre, wie Bodybuilder, Pin-up-Girls, Autos, Haushaltsgeräte, Comics, Filme oder Lebensmittel.

Sein Credo

In dem Katalogtext zur damaligen Ausstellung beschrieb er seine Wahrnehmung von Ästhetik folgendermaßen: "Was wir brauchen, ist nicht die Festlegung auf eine bestimmte bedeutungsvolle Bilderwelt, sondern die Entwicklung unserer Wahrnehmungsfähigkeiten, damit wir das immer reichhaltigere visuelle Material aufnehmen und nutzen können."

Künstlerische Wahlheimaten

Wie sehr er vorgefundenes Material und Reproduktionstechniken zur Umsetzung in hehre Kunst nützte, zeigt auch seine jahrlange Auseinandersetzung mit den verschiedenen Formen von Druckgrafik, Werbung, Industrial-Design, Film, Fotografie und Computer-Technologie. Er blieb damit auch jahrelang ein Außenseiter des Kunstbetriebs und arbeitete als Lehrer und Ausstellungskurator.

Ulysses

Hamilton begann seinen Stilpluralismus in Anlehnung an ein Stück Weltliteratur. Während seines Militärdienstes 1946/47 las er James Joyces "Ulysses" und war von dessen stilistischer und technischer Freiheit beeindruckt. In der in Anschluss entstehender Radierung "In Hornes Haus" versuchte er an Hand von fünf verschiedenen Kunststilen Joyces Pluralismus in der Bildenden Kunst wiederzugeben.

Vater Duchamp

Ein weiteres Objekt seiner künstlerischen Auseinandersetzung war Marcel Duchamp. In den 60er Jahren veröffentlichte er ein gedruckte Version von Duchamps "Green Box". 1965 begann seine Rekonstruktion von Duchamps "Le Grand Verre" und ein Jahr später organisierte eine Duchamp Retrospektive in der Tate Gallery.

Wie sehr in dabei Bewegung und Wahrnehmung interessiert hat, kommt auch in den sitzenden Akten "Transition III" und "ReNude" zum Ausdruck. Inspirationsquelle dafür war Duchamps "Akt die Treppe hinuntersteigend."

Tipp:

"Introspective", Richard Hamilton, 12. Juli bis 9. November, Museum Ludwig, Bischofsgartenstra. 1, 50667 Köln.

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