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24.02.2006 - Kultur&Medien / Kultur News
Südafrika: Die Kamera ist kein Maschinengewehr
VON ALMUTH SPIEGLER
Die Kunsthalle Wien beginnt den Länderschwerpunkt des Frühjahrs mit einer strengen Foto-Schau.

Voriges Jahr war es die Türkei, die dem interdisziplinären Wiener Kul turfrühling einen heißen, weil heftig beflaggten Länderschwerpunkt bescherte. Heuer ist es Südafrika, das auf Initiative der seit einigen Jahren dort lebenden Kuratoren Florian Schattauer und Jyoti Mistry, im Vergleich dazu fast schüchtern das Programm mit einer streng klassischen Fotoausstellung zu besetzen beginnt.

Denn mit traditioneller Fotokunst ist es so eine Sache - eigentlich müsste man sich trotz kuratorischer Sirenenrufe gar nicht erst mühsam auf die Beine schwingen, sondern könnte sich mit den reproduzierten Reproduktionen auch gemütlicher daheim auf die Couch legen. Vor allem wenn es sich um kleinformatiges Schwarzweiß-Material handelt, das den Großteil der 160 aus Südafrika importierten Bilder ausmacht.

Aber es wäre nicht die Wiener Kunsthalle, wenn der eher mäßige Abenteuer-Faktor nicht mit zwei Video-Installationen doch noch zum Ganzkörper-Erlebnis hochgefahren wird. Nein, dabei wurde nicht auf den naheliegenden William Kentridge, Südafrikas renommiertester Zeichen-Video-Künstler, zurückgegriffen (seine Filme findet man im Filmmuseum). Sondern Berni Searle lässt in "About to forget" wandfüllend, aber elegisch seine auf rotes Krepppapier gedruckten Familienfotos ausbluten. Von wegen idyllische Erinnerungen. Mit dem offiziellen Ende der Apartheid 1994 begann noch lange nicht der Frieden.

An Krieg kann auch der 1977 geborene Thando Mama nur denken, wenn sich auf dem Bildschirm sein Gesicht nur schemenhaft spiegelt, aufflackernd im Raketen-Licht einer Fernsehübertragung des US-Angriffs auf den Irak. "We are afraid" ist das einzige, was aus dem diffusen Hintergrundgemurmel verständlich an die Ohren dringt.

Bewusst nicht auf derartige Wunden richten die generationenübergreifend ausgewählten Fotografen rundum ihre Kameras. In Tradition des distanzierten dokumentarischen Blicks des 1930 geborenen südafrikanischen Pioniers der tiefenscharfen Beobachtung, David Goldblatt, bilden sie gerade die unspektakulären Seiten des Alltags ihrer Heimat ab, Prozessionen (Omar Badsha), bunt dekorierte Slum-Hütten (Zwelethu Mthethwa), Unorte auf der Spurensuche nach der Kindheit (Ja Ratcliff).

Nicht als Maschinengewehr, lautet ein Credo Goldblatts, sondern als Navigationsinstrument in einem politischen und rassischen Irrgarten, soll die Kamera eingesetzt werden. So wird die durch massenmediale Bilder von Massakern und Aufständen geprägte visuelle Erwartungshaltungen gegenüber Südafrika konsequent unterlaufen. Einzig die in ihrer Plakativität fast an die brachialen Werbesujets von "Benetton" erinnernden Aids-Totenporträts Pieter Hugos fallen fast unangenehm berührend heraus aus dieser intelligenten, subtilen Schau, die durch einen fast stoischen, bewusst unaufgeregten Blick die Hintertür zu einer uns fremden Kultur wenigstens anbietet.

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