Ausstellung: kunsthallewien.at
Symposium: wuk.at/sonnenschein/sympornonom.htm

Wien
- Den "Wildwuchs der Pornografie" mit Skulpturen, Laufbildern und
Installationen zu konfrontieren, die das sexuelle Begehren
reflektieren, ist Ziel der Ausstellung "The Porn Identity. Expeditionen
in die Dunkelzone", die am Donnerstagabend in der Kunsthalle Wien
(halle 2) eröffnet und bis 1. Juni läuft.
Für die Kunsthalle
Wien wurde die bereits in Rotterdam gezeigte Schau "Bodypoliticx" neu
zusammengestellt. Kunsthalle-Direktor Gerald Matt will
"gesellschaftliche Zustände auch medial hinterfragen", wie er bei der
Pressekonferenz am Mittwoch sagte. Die mit Jugendverbot belegte Schau
(Eintritt ab 18 Jahren) ist Teil des Frühjahrs-Schwerpunkts "Sex &
Crime", der mit "Fahrstuhl zum Schafott" ab 20. März fortgeführt wird.
Zusammenhänge durchbrechen
Der
Transfer der "schamlosen Bilder in den kunstinstitutionellen Raum" soll
pornotypische Zusammenhänge durchbrechen. Dennoch oder gerade deshalb
erfordert die von Angela Stief und den Gastkuratoren Thomas Edlinger
und Florian Waldvogel konzipierte Schau vom Besucher oft ein genaues
Hinschauen, um die feinen Unterschiede zwischen kommerzieller
Pornografie und Kunst zu entdecken.
"Porno, sagt man, ist das,
womit wir uns nicht erwischen lassen wollen", heißt es im Pressetext
zur Ausstellung. Dem "erwischt werden" kommt man in "The Porn Identity"
keinesfalls aus, im Hauptraum hängen dicht gedrängt rund zwei Dutzend
Bildschirme mit explizitem Material von der Decke, heimlich wird es
hier wohl zu keinem Zeitpunkt zugehen. Die Installation "Infront of the
Green Door" von Johannes Wohnseifer in Form einer grünen Tür, die sich
nur einen Spalt öffnen lässt und den Blick auf einen Fernseher mit
Pornos freigibt, findet sich im Eingangsbereich der Ausstellung.
Klassisches Skulpturales
Schräg
gegenüber steht Robert Müllers Skulptur "La veuve du coureur" aus dem
Jahr 1957, eine Replik auf Marcel Duchamps "Bicycle Wheel" (1913), das
die Maschinisierung der Sexualität ebenso wie die Sexualisierung der
Maschine thematisiert. Während hier aus dem Sattel ein durch Treten der
Pedale in Gang zu setzender Penis-Nachbau hervorragt, spielt Ed und
Nancy Kienholz' "The Bronze Pinball Machine with Woman Affixed Also"
(1980) mit dem weiblichen Geschlechtsorgan. Bequem auf die gespreizten
Beine aus Bronze gestützt kann der "Playboy"-Flipper in der Ausstellung
"bedient" werden.
Rund um den "Bildermischwald", der mit
allerlei kommerziellen wie künstlerisch in Szene gesetzten Pornos
dient, finden sich Arbeiten wie etwa das Titelsujet der Schau - ein
Replikat aus der Filmausstattung von Stanley Kubricks "A Clockwork
Orange" der Bildhauerin Liz Moore - sowie Michael Elmgreens und Ingar
Dragsets "Queer Bar" und Olaf Metzels "Skistockspieß-Installation"
namens "Frauen putzen besser" (2002). Tom Burrs Pferdestallskulpturen,
die von der "Dressur des Triebs und der Domestizierung des
Animalischen" sowie vom "wohlkalkulierten Exzess im trauten
Sado-Maso-Heim" erzählen, ist ein eigener Raum gewidmet.
Breit gefächertes Filmprogramm
Den
Schluss der Ausstellung bildet die "Rainbow Wall": Nach farblichen
Entsprechungen der Filme geordnet, ist diese Installation aus fünf mal
vier Bildschirmen, auf denen jeweils vertikal dieselben Pornos gezeigt
werden, die "kuratorische Ergänzung des Filmprogramms". Hier geht es
auch um das immer wieder auftauchende "Spannungsverhältnis zwischen
klassischer heterosexueller Pornoproduktion und alternativen,
homosexuellen, lesbischen oder queeren Erzählungen".
Die
gezeigten Videos, die sowohl durch ihre teilweise sehr langen
Ausschnitte als auch ihre Quantität jegliches Zeitbudget eines sogar
geduldigen Besuchers um ein Vielfaches überschreiten, umfassen zum
Großteil Arbeiten etablierter Künstler wie Carolee Schneemann, Lawrence
Weiner oder Jean Genet. Während Bruce LaBruce den homosexuellen
Geschlechtsverkehr zwischen Skinheads auf Video bannt, inszeniert etwa
der österreichische Filmemacher Martin Arnold mit Found Footage alter
Hollywoodfilme Szenen mit Subtexten von Gewalt und Leidenschaft. Louisa
Achille widmet sich in ihrem Film "The Naked Feminist" in Interviews
(Post-)Porn-Ikonen.
Rahmungen, Diskussionen, Symposium
Mit
aktuellen Themen wie dem "Porn-Chic im Web-2.0-Zeitalter" setzt sich
lediglich der Katalog auseinander, der sowohl in Text als auch Bild die
Ausstellung in der Kunsthalle um weitere Facetten der Pornografie
erweitert. Rund um die Ausstellung finden zahlreiche Diskussionen und
Vorträge in der Kunsthalle statt, eine Filmreihe im Metrokino
beleuchtet im April unter dem Titel "Hauptsache Fleisch" Erotisches und
Pornografisches im österreichischen Film.
Unabhängig von "Porn Identity" findet am Samstag, 14. Februar, im WUK
das Symposium "Pornonom" statt. Die Choreographinnen Sabine
Sonnenschein und Brigitte Wilfing laden zu einer Begegnung
theoretischer, performativer und musikalischer Positionen zum
pornografischen Film. (APA)