Frauenpower

Wer wollte nicht einmal eine andere Identität ausprobieren? Manager und Hausfrauen machen das online, "double life" in der Generali-Foundation gibt Anregungen on site.


Arbeiten von 19 Künstlern und Künstlerinnen wurden für die Schau zusammengestellt. Auf den ersten Blick fällt auf, dass es sich überwiegend um die Arbeit von Frauen handelt. Von Valie Export, die 1967 diesen seit damals ihr eigenen Namen als künstlerisches Konzept und Logo (in Versalien geschrieben) eingeführt und dann eine Reihe von Identitätstransfers fotografisch dokumentiert hat, bis zu Elke Krystufek zieht sich der Bogen von Identitätsinszenierungen.

Elke Krystufek
Elke Krystufek

Das mag daran liegen, dass das Feld der Performances in den 60er und 70er Jahren vor allem von Künstlerinnen erobert wurde. Zum anderen waren und sind es vor allem Frauen, die Geschlechter-
differenz in unserer Gesellschaft kritisch hinterfragen und in Selbstinszenierungen nunmehr die Definitionshoheit für sich in Anspruch nehmen.

Wiederentdeckter Warhol

Der starken Frauenpräsenz zum Trotz steht im Zentrum der Ausstellung die Arbeit eines Mannes: Andy Warhols "Outer and Inner Space" aus dem Jahr 1965. Warhol hat darin seinem damaligen Lieblingsstar Edie Sedgwick ein filmisches Denkmal gesetzt. Das Prinzip der seriellen Reproduktion wird auf das Medium Film übertragen, Sedgwick ist gleich vierfach, quasi im virtuellen Selbstgespräch zu sehen.

Andy Warhols
Andy Warhols "Outer and Inner Space"

Die Leiterin der Generali Foundation und Kuratorin der Ausstellung, Sabine Breitwieser, ist auf die Präsentation besonders stolz, war "Outer and Inner Space" doch jahrzehntelang verschollen. Erst Mitte der 90er Jahre wurde die Arbeit vom Whitney Museum und der Andy-Warhol-Foundation in einer der Warholschen Timecapsules wiedergefunden. Diese Zeitkapseln waren tagebuchartige Boxen, die der Künstler hinterlassen hat.

Schwarz-Weiß-Malerei

Im Raumhintergrund ist die Attrappe eines Stummfilmkinos, dekoriert mit üppiger Goldmalerei, aufgebaut. Durch Gucklöcher sieht man eine Art Slapstick-Comedy. Schwarz-Weiß-Filme mit der schwarzen Ballerina "Antinova". Diese dunkelhäutige Ballettänzerin ist die zweite Identität von Eleanor Antin.

Eleanor Antin
Eleanor Antin

Seit den 70er Jahren versucht die weiße Künstlerin, ihre Identität durch die Annahme verschiedener Rollen zu erweitern. Einmal wurde sie zur Ballerina, um ihr weibliches Selbst auszuloten, später war sie dann ein schwarzer Filmstar. Diese beiden Figuren verschmolzen zu ihrem perfekten Alter-Ego, der schwarzen Ballerina.

Modische Transformationen

Sanja Ivekovic
Sanja Ivekovic
Sanja Ivekovic aus Zagreb setzt sich mit dem Idealbild von Frauen in den Medien auseinander. Sie stellt es in Kontrast zur Rolle der Frauen in den kommunistischen Staaten. Dort waren Widerstands-
kämpferinnen zum Teil so bekannt, dass Fabriken nach ihnen benannt wurden. In ihrer Arbeit verfremdet sie Modezeitschriften, indem sie die belanglosen Texte durch die Biografien einzelner Widerstandskämpferinnen ersetzt.

Die belgische Künstlerin Ria Pacquée wiederum hat im Outfit der adretten Hausfrau (Typus häuslich unterbeschäftigte Yellow-Press-Leserin) 1990 eine Gartenschau besucht (Fotoserie "Madame besucht das Gartenfestival und hofft, die Prinzessin zu sehen") oder die (männliche) Figur "It" erfunden, die etwa mit einem Handkarren voll Gerümpel durch die Stadt zieht. Von Cindy Sherman ist eine Fotoserie "Bus Riders" zu sehen, in der sie die Sitzhaltung von unterschiedlichsten Menschen erprobt.

Rahmenprogramm

Mit einer neuen Performance der österreichischen Künstlerin Elke Krystufek wird die Schau in der Generali Foundation eröffnet. Im Abendprogramm, das die Ausstellung bis 12. August begleitet, sind unter anderem erstmals die Filme von Friedl Kubelka zu sehen oder Eleanor Antin, die aus ihren Tagebüchern, "Being Antinova", liest.

Tipp:
Die Aussstellung "double life" in der Wiener Generali Foundation läuft noch bis 12. August.

Link:
Interview mit Eleanor Antin

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