| Die Kunst der Abgrenzung | |
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Das Gespräch mit Edelbert Köb führte Barbara Rett Montagabend in der Sendung Treffpunkt Kultur. |
Frage: Herr Direktor Köb, ihr neues Kino stammt von Adolf
Krischanitz, jüngste Einbauten von Heimo Zobernig und sie eröffnen mit dem
Wiener Aktionismus. Man hat das Gefühl, dass sie die Zusammenarbeit mit
den österreichischen Künstlern suchen...
Köb: Selbstverständlich. Ich suche auch die Zusammenarbeit mit
meinen Mitarbeitern und Kuratoren. Frage: Die wilden 60er waren eine Zeit des Aufbruchs, der
Utopie. Verliert diese Kunst nicht viel von ihrer Spannung, wenn sie in
den coolen Kontext eines heutigen Museums gesteckt wird? Köb: Diese Kunst ist Geschichte. Es ist eine
gesellschaftsbezogene, performative Ereigniskunst und braucht das Museum
besonders. Von dieser Kunst sind teilweise nur mehr Erinnerungen übrig
geblieben, sie kann nur im Museum mehr zu Hause sein. Frage: Was haben sie in den 60er Jahren gemacht? Köb: Ich war Akademiestudent und habe an vielen dieser
Ereignisse auch teilgenommen. Die Akademie war zu der Zeit eine
konservative Institution. Wir haben täglich Akt gezeichnet. Die Aktionen
eines Hermann Nitsch habe ich beobachtet wie irgendwelche Stammestänze.
Wir waren so weit von der Realität entfernt, dass wir weder diesen
Kunstdiskurs, noch die gesellschaftlichen Anliegen, die damit verbunden
waren, verstanden haben. Frage: Wie belebt man ein Gebäude, wie ihres? Köb: Meine Absicht war, das Haus optimal zu nutzen. Der
Grundfehler bestand für mich darin, dass sich das Raumerlebnis auf die
riesige über sechs Geschosse reichende Eingangshalle beschränkt hat. Ich
wollte das Kunsterlebnis in die Schauräume verlegen und glaube, dass das
auch gelungen ist. Ein Kunstwerk muss auch immer mit einem bestimmten Raum
verbunden sein. Frage: Die Bespielung der öffentlichen Bereiche des
Museumsquartiers erfolgt zum Teil weniger künstlerischen als
privatwirtschaftlichen Grundsätzen. Wie lässt sich ein egalitäres
städtisches Programm auf diesem Platz etablieren? Köb: Das ist die Aufgabe des MQ-Geschäftsführers Wolfgang
Waldner. Es kommt ja noch das Quartier 21. Frage: Die Differenzen, die sie mit Waldner hatten sind
beigelegt? Köb: Es gibt grundsätzliche Meinungsverschiedenheiten, was den
Auftritt des MQ betrifft, das ist aber nicht persönlich. Alle Nutzer haben
das gleiche Problem, dass sie glauben, dass das Quartier aus
Individualitäten besteht. Dem steht das politische Konzept gegenüber - das
stammt ja nicht von Waldner selbst - dass man das MQ als ganzes bewerben
soll. Ich glaube dass man beides tun muss. Frage: Sie gehen aber nicht so weit, Waldners Rücktritt zu
fordern? Köb: Das war eine Ente, ich werde das auch einklagen. Frage: Sie waren auch mit der Abkürzung mumok unzufrieden,
wollten das ändern. Jetzt stehen sie aber dazu, warum? Köb: Es hat sich in der Praxis einfach durchgesetzt. Aber ich
will auch das "Museum moderner Kunst" im Namen haben, weil damit ein
Anspruch verbunden ist, und die Nennung der Stiftung Ludwig ist nicht nur
eine vertragliche Verpflichtung, sondern eine moralische. Ohne die
Sammlung würde das Museum nur halb so gut dastehen. Diese Begriffe sollen
also auch gleichwertig neben der Abkürzung stehen. Frage: Es ist für eine Haus wie Ihres schwer, Identität
auszubilden, da sich Kunst der Moderne in Wien auf mehrere Institutionen
verteilt. Da ist die Albertina, die Kunsthalle, die Österreichische
Galerie. Wäre es nicht sinnvoll, wenn sich die Häuser klarer von einander
abgrenzen würden? Köb: Das halte ich nicht nur für sinnvoll, sondern für absolut
notwendig. Dieses Haus, das einst als Museum des 20. Jahrhunderts begann
und den Anspruch hat, ein Museum der modernen Kunst zu sein, beginnt mit
vollen Depots und kann nur fünf Prozent seiner Sammlung ausstellen. Ich
muss mir also über die Zukunftsperspektiven ansehen und das kann ich nur
in Absprache mit den Bundesmuseen. Frage: Gibt es bereits Gespräche? Köb: Ja. | ||||