Salzburger Nachrichten am 17. April 2003 - Bereich: kultur
Der Mensch in seiner Fragilität

Salzburger Kunst-Ostern: Antony Gormley bei Ropac, Fronius bei Welz

Als die Kunst der Renaissance den Menschen in den Mittelpunkt stellte und ihn zum Maß aller Dinge erklärte, hörte er auf, das Staubkorn zu sein, das er zuvor in der theologischen Betrachtungsweise der Dinge gewesen war. Für den englischen Künstler Antony Gormley ist auch die menschliche Gestalt das Um und Auf. Seine Absicht ist es aber nicht, religiösen Vorstellungen zu widersprechen, vielmehr stellt er den Menschen in Frage. Er erscheint oft durchschaubar, fragil und abweisend. Jedenfalls hat er keine Ursache zur Selbstsicherheit.

In der Galerie Ropac sind Variationen des Menschenbilds zu sehen. Gormley, ein großer, schlanker Mann, nimmt das Maß von sich. Die einzelnen Metallskulpturen haben in den seltensten Fällen eine geschlossene Form, sie sind, jede für sich, aus bestimmten Materialien "zusammengesetzt", etwa aus kurzen, vierkantigen Stahlstäbchen, aus Stahlringen oder kleinen Stahlquadern. Eine der kühnsten Skulpturen besteht aus endlosem Stahldraht; er wurde zu einem "Knäuel" verschlungen, das die menschliche Figur nur noch erahnen lässt.

Zwei Plastiken stehen im Freien vor der Kast-Villa. Jeweils wachsen aus einem Beinpaar zwei menschliche Figuren, einmal hintereinander, das andere Mal nebeneinander angeordnet. Gormley macht hier "das andere Ich" zum Thema. Er hätte die Figuren gern im Mirabellgarten aufgestellt, um eine Beziehung zu den dortigen allegorischen Skulpturen aufzunehmen. Weil der Mirabellgarten dadurch hätte geschändet werden können, wurde das nicht erlaubt.

Gormley ist zurzeit auch in der Grazer Ausstellung "Himmelschwer" vertreten. Im Hof des Grazer Jesuiten-Kollegs zeigt er eine Installation mit über sechzig lebensgroßen Skulpturen, stürzend, kauernd, im Boden versinkend. Dieses durchkomponierte Arrangement entstand ursprünglich als Auftragswerk der Stadt Wien.

Bis 25. Mai

Gedenken an einen großen Illustrator

Hans Fronius war neben dem mit ihm befreundeten Alfred Kubin einer der bedeutendsten österreichischen Illustratoren. Zum Gedenken an seinen 100. Geburtstag zeigt die Galerie Welz die Originale einiger geschlossener Illustrationszyklen. Fronius liebte Stoffe mit einer ausgeprägten Nachtseite. Abstrus und unheimlich musste es zugehen. Seinem Zeichenstift und seiner Feder entsprangen die groteskesten Gestalten. Die Galerie, die mit dem Künstler schon 1946 in Verbindung stand, verzichtet diesmal darauf, die sehr populären Arbeiten von Fronius zum Werk Kafkas auszustellen. Der erste, 1935 mit Tinte gezeichnete, aus 14 Blättern bestehende Zyklus ist der Erzählung "Der Geschäftsmann" von E. A. Poe gewidmet. Fronius konzentrierte sich auf die Figuren und sparte die Umgebung weitgehend aus. Auf Poe kam er in den sechziger Jahren zurück. Damals illustrierte er "Das verräterische Herz" mit 69 Sujets. Sein Stil war inzwischen frei und souverän geworden, die Dynamik hatte zugenommen. Während des Krieges entstand ein Zyklus zu "Nero" von Sueton und in den Jahren danach eine große Bildfolge zum "Großen Testament" von Villon. Die Galerie erinnert auch an die Tatsache, dass Fronius ein gewichtiger Maler war, der auf den besten Qualitäten des österreichischen Expressionismus aufbaute. - Damit korrespondierend, sind im ersten Stock des Hauses hochwertige originale und gedruckte Grafiken des deutschen und österreichischen Expressionismus zu sehen.

Bis 11. Mai

WERNER THUSWALDNER