Meisterwerke revisted

Richard Hamilton überzeugt in seinem druckgrafischen Werk mit individuellen Zitaten der Kunstwelt.


Richard Hamilton hat wohl mit allen berühmten Druckern Europas gearbeitet. Ob mit Kurt Zein in Wien oder Aldo Crommelynck in Paris, immer entstanden irritierende Werke, die eine eindeutige künstlerische Handschrift schwer feststellen lassen.

Diversität

Hamilton ist ein Flaneur, ein Hedonist, der den verschiedensten Ausprägungen des Lebens auf der Spur ist. Er experimentiert mit Typografien, mit Photoshop, Laserdruck und anderem und kommt dabei zu witzigen und oft humorvollen Lösungen. Wie sehr er sich dabei auch an vorgefundenem künstlerischen Material orientiert, sei hier an Hand von zwei Bespielen erläutert.

My Marilyn

"My Marilyn" / ©Bild: Richard Hamilton

Der Siebdruck "My Marilyn" entstand 1965 an Hand einer Fotoserie die der Fotograf George Barris kurz vor dem Selbstmord von Monroe machte. Die Fotos erschienen posthum in der Illustrierten "Town". Monroe verlangte vor Veröffentlichung von Fotografien, die Arbeiten zu sehen und machte Zeichen mit Lippenstift und Nagelfeile direkt auf den Abzügen oder Filmen. Mit ihren Haken und Kreuzen signalisierte sie ihre Zustimmung oder Ablehnung. Die markierten Fotos sind somit eine reiche Palette an "mixed media".

Hamiltons Verfremdung

Hamilton arbeitete mit neun Fotosieben, druckte aus Filmnegativen und legte malerisch wirkende Farben wie Rosa über das Fotomaterial. Entstanden sind träumerische Drucke, die neben Hamiltons Handschrift auch den Kommentar Monroes beinhalten.

Schlag nach bei Picasso

Für die Hommage Hamiltons an Picassos "Las Meninas" arbeitet der Brite mit dem Drucker Picassos, Aldo Crommelynck, zusammen. Er nahm dabei auf die 58 Variationen Picassos Bezug, die der Spanier als Paraphrase auf Velasquez berühmtes Ölgemälde "La Medinas" malte. Velasquez malte in dem Bild sich selbst wie er die Infantin Marguerita, die Tochter Philipps IV porträtierte.

Kristallationspukt

Hamilton bezeichnete seine Radierung "Hommage" als Kuliminationspunkt seiner alten Leidenschaft viele Stile zu mixen. "Las Meninas" bot Hamilton die Möglichkeit, Picassos Perioden von der "Rosa Phase" zum "Analytischen Kubismus" zum "Primitiven" und zum "Neoklassizismus" zu durchlaufen. Etwas das dem Grenzgänger Hamilton sehr entgegen kam.

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