Wie er in Venedig den Raum transformieren werde, wisse er noch nicht, beteuerte Gironcoli-Schüler Schabus bei der Pressekonferenz in Wien. Für die "Astronaut (komme gleich)" genannte Secessions-Schau ließ er den Haupteingang zumauern und in den großen Ausstellungsraum ein fensterloses 1:1-Modell seines Ateliers bauen. Der Zugang war nur über ein verwinkeltes Tunnelsystem möglich, mit dem sich der Künstler auf eine Installation in seinem Atelier bezog: Dort hatte er einen "Fluchttunnel" gegraben ("Der Schacht von Babel") und das Aushubmaterial aufgeschüttet.
"Der Pavillon ist für den Künstler da, nicht für den Kurator"
Kurator Hollein sieht in den kommenden Monaten seine Rolle darin, "den Prozess zu begleiten und alles zu ermöglichen, was sich Hans Schabus vorstellt", dieser nannte seinerseits Hollein ein "Rückgrat, jemand, der Kontakte knüpfen kann und das Budget (laut Morak mit rund 400.000 Euro ein wenig höher als bei der vorigen Biennale, Anm.) unter Kontrolle hat. Es ist wichtig, dieses Gegenüber zu haben. Man kann so ein großes Ding nicht alleine machen." Hollein betonte, seine Absicht wäre gewesen, mit seiner Wahl weder ein Lebenswerk zu feiern, noch sich durch eine Gruppen- oder Konzeptausstellung als Kurator selbst in den Vordergrund zu rücken: "Der Pavillon ist für den Künstler da, nicht für den Kurator."
Schabus finde in seinen Fotografien, Videos und Installationen eine "emotionale Erfahrungsebene" und wende sich damit "klar an das Individuum", etwas, was dem politisch geprägten Kunstdiskurs zuletzt gefehlt hätte, so Hollein. Auch bei der "Manifesta IV" in Frankfurt 2002 habe Schabus sich mit seinem Video "Western" deutlich von den anderen Arbeiten abgehoben und eine "poetische Kraft" eingebracht: Für das Video hatte Schabus ein kleines Segelboot der Klasse "Optimist" in einen "Pessimisten" namens "forlorn" umgebaut und war in den Abwasserkanälen Wiens in See gestochen. Max Hollein baut darauf, dass Schabus' subversive Kraft auch in Venedig Aufsehen erregen wird: "Ich erwarte, dass er sich durchsetzt in diesem Rummel."
Kommende Ausstellung
Die nächste Gelegenheit, eine große Ausstellung des Künstlers zu sehen, bietet sich bereits ab 20. November im Bregenzer Kunsthaus, wo Schabus "das gesamte Gebäude in einen komplex verschachtelten, architektonischen und mentalen Parcours der Entdeckung des eigenen Ichs" umgestalten soll. (APA)