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Das Belvedere stellt seine Sammlung der Gegenwartskunst aus
Das Belvedere muss sich nicht den Vorwurf machen, zeitgenössische Künstler nicht zu Lebzeiten anzukaufen. Max Beckmanns (1884-1950): „Liegende Frau mit Buch und Schwertlilien“ aus 1931 wurde 1948 erworben.  Foto: Belvedere

Das Belvedere muss sich nicht den Vorwurf machen, zeitgenössische Künstler nicht zu Lebzeiten anzukaufen. Max Beckmanns (1884-1950): „Liegende Frau mit Buch und Schwertlilien“ aus 1931 wurde 1948 erworben. Foto: Belvedere

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Es könnte bald wieder Leben ins „20er Haus“ kommen, jenes Museum für Gegenwartskunst im Schweizer Garten, das lange Zeit verwaist war. Nun wird der Architekt Adolf Krischanitz den ehemaligen Weltausstellungspavillon (Brüssel 1958) von Karl Schwanzer sanieren und adaptieren, die Ausbauten aber vor allem unterirdisch durchführen. Die einzige sichtbare Veränderung wird ein gläserner Turm vor dem Haus sein, der außen Werbeflächen und innen Büros enthalten soll.

Auch das Wotruba-Archiv wird dort eine Heimstätte finden, Bibliothek und Depotflächen durch einen Shop und ein Café bereichert. Im nur klimatechnisch veränderten Obergeschoß werden wesentliche Werke der Österreichischen Galerie aus dem 20. Jahrhundert (genauer seit 1918) präsentiert werden.

Bis auf den Österreich-Schwerpunkt entspricht das sogar noch dem ursprünglichen Konzept des Museumsgründers Werner Hofmann.

Der Kurator Franz Smola hat eine Vorausschau zusammengestellt, die als „Propaganda“ im linken Trakt der Belétage des Oberen Belvedere bis 21. Mai gezeigt wird. Damit schlägt Belvedere-Direktor Gerbert Frodl nicht nur die Werbetrommel für das noch längst nicht ausfinanzierte Bauvorhaben, sondern er will verstärkt auf seine Ankaufspolitik hinweisen, die sich seit 1992 vor allem der Gegenwartskunst widmet.

Obwohl da eine Lücke zwischen der Direktion Hans Aurenhammers und seinem Antritt klafft, ist es gelungen, die Werke aus dem Zeitraum 1918 bis heute auf mehr als die Hälfte des Bestandes auf zustocken. Den Vorwurf, Künstler nicht zu Lebzeiten an zukaufen, muss sich das Haus an sich nicht machen: schon 1908 wurde „Der Kuss“ von Klimt angekauft.

Im Jahr 2001 dann eine Arbeit der Gruppe „Gelatine“, die noch Geschichte machen wird, da sie eine verbotene Aktion im World-Trade-Center vom Sommer 2001 fotografisch dokumentiert, wenige Wochen bevor das Gebäude dem Terror zum Opfer fiel.

„Gelatine“ dienen dem Kurator dann auch zu Konfrontationen von Alt und Neu: ein GlaskastenObjekt von 2003 ist Oskar Laskes „Narrenschiff“ gegenübergestellt.

Die als Orientierungshilfe geschaffene Chronologie ist mitunter spannend durchbrochen: Architekt Krischanitz hat zu Plänen und einer Computeranimation auch Interviews zum 20er Haus gestellt – und damit eine wichtige Architekturdebatte über das neue Stadtviertel um den Südbahnhof begonnen.

Smola erklärt zudem Heimo Zobernigs weiße Konzept-Leinwand zum verlängerten Ideen-Arm zwischen Max Weiler und Arnulf Rainer; er stellt aber auch wesentliche Künstlerinnen von Erika Giovanna Klien, Maria Lassnig über Florentina Pakosta bis Adi Rosenblum und Esther Stocker anderen Exponaten zur Seite, die wie Oskar Kokoschkas Pragansicht „Ikonenstatus“ genießen.

Kunst fürs 20er Haus

Franz Smola (Kurator)

Oberes Belvedere

bis 21. Mai

Blick nach vorne.

Samstag, 04. Februar 2006


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