Es könnte bald wieder Leben ins „20er Haus“
kommen, jenes Museum für Gegenwartskunst im Schweizer Garten, das lange
Zeit verwaist war. Nun wird der Architekt Adolf Krischanitz den ehemaligen
Weltausstellungspavillon (Brüssel 1958) von Karl Schwanzer sanieren und
adaptieren, die Ausbauten aber vor allem unterirdisch durchführen. Die
einzige sichtbare Veränderung wird ein gläserner Turm vor dem Haus sein,
der außen Werbeflächen und innen Büros enthalten soll.
Auch das Wotruba-Archiv wird dort eine Heimstätte finden, Bibliothek
und Depotflächen durch einen Shop und ein Café bereichert. Im nur
klimatechnisch veränderten Obergeschoß werden wesentliche Werke der
Österreichischen Galerie aus dem 20. Jahrhundert (genauer seit 1918)
präsentiert werden.
Bis auf den Österreich-Schwerpunkt entspricht das sogar noch dem
ursprünglichen Konzept des Museumsgründers Werner Hofmann.
Der Kurator Franz Smola hat eine Vorausschau zusammengestellt, die als
„Propaganda“ im linken Trakt der Belétage des Oberen Belvedere bis 21. Mai
gezeigt wird. Damit schlägt Belvedere-Direktor Gerbert Frodl nicht nur die
Werbetrommel für das noch längst nicht ausfinanzierte Bauvorhaben, sondern
er will verstärkt auf seine Ankaufspolitik hinweisen, die sich seit 1992
vor allem der Gegenwartskunst widmet.
Obwohl da eine Lücke zwischen der Direktion Hans Aurenhammers und
seinem Antritt klafft, ist es gelungen, die Werke aus dem Zeitraum 1918
bis heute auf mehr als die Hälfte des Bestandes auf zustocken. Den
Vorwurf, Künstler nicht zu Lebzeiten an zukaufen, muss sich das Haus an
sich nicht machen: schon 1908 wurde „Der Kuss“ von Klimt angekauft.
Im Jahr 2001 dann eine Arbeit der Gruppe „Gelatine“, die noch
Geschichte machen wird, da sie eine verbotene Aktion im World-Trade-Center
vom Sommer 2001 fotografisch dokumentiert, wenige Wochen bevor das Gebäude
dem Terror zum Opfer fiel.
„Gelatine“ dienen dem Kurator dann auch zu Konfrontationen von Alt und
Neu: ein GlaskastenObjekt von 2003 ist Oskar Laskes „Narrenschiff“
gegenübergestellt.
Die als Orientierungshilfe geschaffene Chronologie ist mitunter
spannend durchbrochen: Architekt Krischanitz hat zu Plänen und einer
Computeranimation auch Interviews zum 20er Haus gestellt – und damit eine
wichtige Architekturdebatte über das neue Stadtviertel um den Südbahnhof
begonnen.
Smola erklärt zudem Heimo Zobernigs weiße Konzept-Leinwand zum
verlängerten Ideen-Arm zwischen Max Weiler und Arnulf Rainer; er stellt
aber auch wesentliche Künstlerinnen von Erika Giovanna Klien, Maria
Lassnig über Florentina Pakosta bis Adi Rosenblum und Esther Stocker
anderen Exponaten zur Seite, die wie Oskar Kokoschkas Pragansicht
„Ikonenstatus“ genießen.
Kunst fürs 20er Haus
Franz Smola (Kurator)
Oberes Belvedere
bis 21. Mai
Blick nach vorne.
Samstag, 04. Februar
2006