Salzburger Nachrichten am 7. März 2006 - Bereich: Kultur
AUSSTELLUNG

Arbeiten mit Herkules

Am siebten Tag ruhte Gott. Bernd Fasching nicht. Obwohl es heute sein siebter Tag wäre. Der 1955 in Wien geborene Maler und Bildhauer muss noch fünf Tage arbeitend ausharren, ehe er "The 12 Days 12 Nights Project" vollendet hat. Fasching hat für zwölf Tage die Galerie Tony Subal in der Weihburggasse 11 im Stadtzentrum von Wien bezogen und umgestaltet.

Rund um die Uhr

ist Fasching anwesend. Der Künstler ist nicht nur mit zahlreichen Exponaten, Skulpturen, Zeichnungen, Videos und Projektmodellen vertreten, er malt pro Tag ein neues Bild, das dem mythischen Herkules gewidmet ist. Dasselbe Prinzip übte Fasching bereits 1997 in New York, als "öffentlicher Künstler" ist er aber auch schon in Amsterdam, Köln oder Jerusalem tätig gewesen.

Bei dieser öffentlichen

Aktion sind Besucher nicht nur erbeten, sondern werden als Gesprächspartner erwünscht. Fasching malt zu zwölf Episoden aus dem "Leben" des Herkules - vom Einfangen der Menschen fressenden Stuten oder des kretischen Stiers bis zu Ereignissen wie der Begegnung mit Hippolyta oder dem Ausmisten des Augiasstalles - seine Bilder, die wiederum, durch Gespräche mit Besuchern inspiriert, neue "Untertitel" erhalten. Stierreiten in der Antike korrespondiert mit dem Todesstich in der Arena unserer Tage.

Eine befruchtende

Angelegenheit, deren Ergebnis nach der Aktion noch bis 8. April zu sehen ist. Auf Leinwand mit Sandgrund trägt Fasching seine Farbschichten auf, mitunter collagiert durch Brokatfetzen. Sand bedeckt auch den Boden der Galerie, was nicht heißt, dass Fasching auf Sand baut. Jeder kann hier Spuren hinterlassen. Im Gegensatz zu seinen Skulpturen treibt Bernd Fasching im Herkules-Zyklus die Abstraktion weit und wirft Fragen auf. Die Finissage-Rede am 12. März, 20 Uhr, hält Marc Scheps, ehemaliger Direktor des Art Museums Tel Aviv und des Museums Ludwig in Köln.ERNST P. STROBL