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derStandard.at | Kultur | Bildende Kunst 
10. April 2006
21:12 MESZ
Von Olga Grimm-Weissert aus Paris

Bis 29. Jänner 2007 
Foto: Philippe Migeat © Jeff Wall
Ein Spiel mit Sichtweisen, eine für Jeff Wall typische Inszenierung: "Picture for Women" von 1979 (Cibachrome im Leucht-kasten).

Humorvolle Dialoge
Das Centre Pompidou in Paris präsentiert seine Sammlung unter einem ganz besonderen Aspekt: "Mouvement des Images. Art. Cinéma."

Die Schau arbeitet die Wechselbeziehungen zwischen Film, Foto und Kunst exemplarisch heraus. Mit dabei: Franz West, Erwin Wurm und Peter Kubelka.


Österreichische Künstler geben der neuen, thematischen Präsentation der Sammlung des Centre Georges Pompidou ihren Rhythmus, die unter dem Titel Mouvement des Images. Art. Cinéma. die reziproke Beeinflussung von Film, Foto und Kunst aufzeigt. Eine stupende Wechselbeziehung, großartig präsentiert.

Die reihenweise aufgestellten Divane von Franz West mit ihren Teppichen begrüßen die Besucher des vierten Stocks, wo immer die Sammlung des Museums zu sehen ist. Im ersten Saal hat Peter Kubelka seine Filmstreifen Arnulf Rainer von 1958 - 60 an die Wand gepinnt und seine vier Konzeptblätter im A4-Format in einer Vitrine davor dargelegt. Im letzten Saal entdeckt man die Videoarbeit von Erwin Wurm, Positions von 1992, die sich hinter einer ganzen Serie weißer Skulpturen von Hans Arp befindet, die mit Wurms verdeckten, versteckten, verzerrten, eventuell kopflos schreitenden Körpern einen humorvollen Dialog herstellen.

Die räumliche Aufteilung der Ausstellung ist um einen dunklen Gang mit historischen, experimentellen und Avantgarde-Filmen, Künstlervideos und Installationen herum organisiert. Links und rechts von diesem "Film-Gang" befinden sich Räume, in denen die Beziehung von Malerei und Skulptur des 20. und 21. Jahrhunderts zu Filmprojektionen eine neue Sichtweise anbieten.

Innovativer Parcours

Philippe-Alain Michaud, der Kurator der höchst originellen Präsentation, bietet einen innovativen Parcours durch die moderne und zeitgenössische Kunstgeschichte an. Wobei er von der These ausgeht, dass die bewegten Bilder des Films die Inspiration der Künstler wesentlich verändert hat. Auch die Möglichkeit der Vervielfachung des fotografischen oder gemalten Bildes, die im ersten Raum mit Andy Warhol und seinen Liz-Taylor-Porträts, Ten Lizes (1963), sowie von vier geometrischen Josef-Albers-Gemälden und Fotos des Ehepaars Becher, von Peter Kubelka und Jeppe Hein (Moving neon cube, 2004) thematisiert wird, durchzieht wie ein roter Faden die ganze Ausstellung.

Besonders schlüssig ist die Wechselbeziehung im Saal mit einer Installation von Olafur Eliasson, Your concentric welcome (2004), die aus drei farbigen, von einem Projektor angeleuchteten Glasscheiben besteht. Der stets wechselnde Schatten beleuchtet auch die restlichen Kunstwerke, darunter ein Mobile von Alexander Calder und ein Rotorrelief von Marcel Duchamp sowie ein Gemälde von Robert Delaunay mit Kreismotiven.

Um Projektion geht es im Saal von Ingo Maurer, der ein Chinesisches Bild (1999 - 2006) präsentiert: Er filmt Goldfische in einem Aquarium, die auf einer Leinwand als schwarz-weißer Schattenriss erscheinen. Was eine unkalkulierbare Zahlenvariante an bewegten Bildern ergibt. Ein im rechten Winkel auf zwei Bildschirmen präsentiertes Video von Ange Leccia, Fumée (1995), sowie Fotos von Hiroshi Sugimoto ergänzen diese Bilder harmonisch.

Walzerklänge locken in den Saal von Claude Lévêque, dessen Rieseninstallation mit einem überdimensionalen, zum Fetisch erhobenen Schuh, Valstar Barbie, in rosa Neonlicht getaucht ist. Majestätisch steht vor dem Eingang vor dem Saal eine Marmorskulptur von Max Bill, Unendliche Schleife von 1960/61, die man gerne öfter zu Gesicht bekäme.

Jeff Wall darf natürlich nicht fehlen. Sein Picture for Women (1979) hängt in einem offenen Gang, vor dem sich Künstlerbücher befinden, die nach dem Prinzip von Kinderbilderbüchern aufklappbar sind: Damien Hirst erfreut mit einem bunten Schmetterling vor blauem Papier, Andy Warhol mit einer roten Dose, die aus dem Buch herauskommt.

Am Parkettboden flimmert eine Videoarbeit von Yann Beauvais, Shibuya (2004), die uns eine bewegte Vision einer Megastadt vermittelt. Selbstverständlich befinden sich auch Werke von Henri Matisse, Pablo Picasso, Francis Picabia und Constantin Brancusi in der Ausstellung ...(DER STANDARD, Printausgabe, 11.04.2006)


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