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Schnee ist voller Winter

Aufzählung (cai) Wenn man nicht hungrig ist, ist man satt. Aberwas ist man, wenn man keinen Durst mehr hat? Na ja, dann ist man ertrunken. Tschuldigung: be -trunken. Damit will ich nun keineswegs andeuten, das Trio Mahony hätte das alles im illuminierten Zustand erschaffen. (Dan Browns Thriller "Illuminati" handelt übrigens nicht von den Anonymen Alkoholikern. Die sind kein obskurer Geheimbund.) Ich wollte vielmehr darauf anspielen, dass ein starkes Getränk vorkommt. Die drei haben nämlich mit Kaffee ein Aquarell hergestellt. Nein, nicht was Sie glauben. Pfui! (Oder wahrscheinlich glaub’ das eh wieder einmal nur ich.) Sie haben das harntreibende Genussmittel nicht getrunken und nachher ... ähm .. . tja. Sie haben auf ein weißes Papier, das offenbar gefaltet gewesen ist wie eine Landkarte, einen riesigen Kaffeering draufgemacht.

Was wollen die uns damit sagen? Die Erde ist eine Scheibe? (Dass man die Welt vor lauter Geographie nimmer sieht, das kann einem da jedenfalls nicht passieren. Weil: Ich sehe, dass ich nix sehe.) Dann die Überraschung. Das Papier ist gar nicht aus Papier. Dasist ein Alublech, auf dem Stoff pickt. Das Billige schlägt plötzlich ins Unglaubliche um. Oder man macht uns einfach schneeblind: Was ein harmloses Gebirgspanorama zu sein scheint, wo der Schnee voller Winter ist, entpuppt sich als Sperrgebiet, das mit weißer Farbe wegzensuriert worden ist. Und das primitive Puzzle aus Betonstückerln? (Hm. Kärnten, von drei Nichtkärntnern aus dem Gedächtnis rekonstruiert?) So wirdder Privatgrund sonst nur von den Fliesenlegern "verpixelt". Oder von Google Earth. Die Botschaft (Geographie ist relativ) wird hier mit einer solch ungenierten Lässigkeit rübergebracht, dass die Schlamperei schon einen gewissen Charme verströmt. Und die Moral von der Geschicht’? Traue keiner Karte nicht.

Galerie Layr Wuestenhagen
(An der Hülben 2), Mahony, bis 5. Februar
Di. – Fr.: 11 – 18 Uhr, Sa.: 11 – 16 Uhr

Erotik ist unbequem

Aufzählung (cai) Wie heißt es doch am Ende von "Faust II"? "DasEwig-Weibliche zieht sich aus." Oder an? Nein, es zieht uns hinan. Wurscht. Beim Alfred Czerny zieht es sich eindeutig aus . Die Bronze-Nackedeis (von den 1950ernbis 2001) räkeln sich mit ihrer manierierten, fast akrobatischen Grazie auf den Sockeln. Die einen faszinieren mit ihrer anatomischen Überdrehtheit, die andern mit schwungvoller Eleganz. Ein paar Stellungen hab ich daheim selber ausprobiert. Und wenn ich vorher einen Yogakurs belegt hätte, hätt’ ich sie hingekriegt. Schönheit ist eben unnatürlich und Erotik unbequem. Beine scheint der Czerny ja nicht für überflüssig zu halten. Die lässt er nämlich meistens dran. Ansonsten unterzieht er seine Modelle gern einer radikalen Abmagerungskur: der Kettensägen-Diät. Der Total-Torso, der hilflos wie ein Käfer auf dem Rücken liegt, schaut allerdings schon ein bissl grotesk aus. Wie das fundamentalistische Werk eines Amputationsfetischisten. Dazwischen: hingebungsvoll beobachtete Pferde. Tja, Pferdln und Frauen. Die klassische Kombination. Nur dass Letztere hier nicht auf Ersteren reiten dürfen.

Galerie Chobot
(Domgasse 6), Alfred Czerny, bis 29. Jänner
Di. – Fr.: 13 – 18 Uhr, Sa.: 11 – 16 Uhr

Auf die Höhe kommt’s an

Aufzählung (cai) Transsilvanien, da sind die Hinterwäldler her. Transmontana: Das Land der Hinterbergler (der siebenZwerge). Und Transatlantica? Wohl die Heimat der Amerikaner(derHinterteichler).Ist Milena Dragicevics Bilderserie "Erections For Transatlantica" also voller Erektionen oder Stinkefinger, die Amerika gewidmet sind? Zum Glück nicht.SurrealeErregungen,äh:Errichtungen. Undurchschaubare, mäßig aufregende Konstruktionen. Die markigen Farben sind aber lecker.

Galerie Martin Janda
(Eschenbachgasse 11), Milena Dragicevic
Bis 5. März, Di. – Fr.: 13 – 18 Uhr, Sa.: 11 – 15 Uhr

 

Printausgabe vom Mittwoch, 26. Jänner 2011
Online seit: Dienstag, 25. Jänner 2011 17:24:00

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