| Paradigmenwechsel | |
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Der DJ ist die Leitfigur der zeitgenössischen bildenden Kunst, meint AEC-Chef Gerfried Stocker. |
Nach heftig diskutierten Ausflügen in
scheinbar kunstferne Bereich wie Biotechnologie oder Reproduktionstechnik
nähert sich die Ars Electronica im 22. Jahr ihres Bestehens wieder stärker
der Kunst an. Scheinbar, denn Festivalleiter Gerfried Stocker postuliert
die provokante These, dass die zeitgenössische bildende Kunst ihre
Funktion als Avantgarde des gesellschaftlichen Fortschritts längst
verloren hat. Wissenschaft, Subkulturen und Kreativ-Wirtschaft sind für
ihn die zukünftigen Orte gesellschaftlich relevanter Kunstproduktion auf
technologisch höchstem Niveau. Neue Struktur Da auch die Theoriebildung in dieser Frage der Realität nachhinkt, ist
das heurige Symposion überwiegend mit Praktikern besetzt.
Multimediakünstler wie Didi Bruckmayr, unter
anderem Frontman der "Fuckheads", Designer wie Ruedi Baur, der das Centre
Pompidou mit einer neuen CI ausgestattet hat, oder Jerome Rota, der
mit DivX gerade
die Video-Distribution revolutioniert, werden heuer in zahlreichen
Conferences diskutieren - kein Mega-Symposion steht auf dem Programm,
sondern kleine Diskussionsplattformen über die ganze Woche verteilt. Fragen nach neuen Rollenbildern der Kreativen stehen ebenso auf der
Themenliste, wie die Entwicklung des Infotainment oder - nur ein kleiner
Schritt - die Zukunft des Museums und die Archivierung der aktuellen
Medienkunst. Museum der Zukunft
Im Gegensatz zum überkommenen Konservierungsgedanken des 19. und 20.
Jahrhunderts geht es in der aktuellen Medienkunst nicht mehr um die
Erhaltung der Oberflächen. Der prozesshafte Charakter der Cyberart hat
wesentlich mehr Ähnlichkeit mit einer Partitur als mit einem Gemälde. Das
Kunstwerk entsteht in der Interpretation, das Orchester sind die User. Der
Individuelle Künstler ist wie ein DJ oder Komponist. Im Unterschied zu vergangenen Jahren wird die Begleitausstellung zum
Prix Ars Electronica im O.K Centrum sehr breit angelegt sein.
Nicas und Geldpreise werden heuer in mehr Kategorien denn je vergeben.
Dementsprechend umfangreich ist die Dokumentation der in die Endauswahl
gekommenen Projekte. Und breit wird auch das Angebot in der Electronic
Lobby sein, die 20 junge Vertreter der Next-Gen-Creatives vereinigt. Fit mach mit
Wie jedes Jahr ist die Einbindung des öffentlichen Raums und der
Besucher in das Kunstgeschehen ein wesentlicher Teil der Ars Electronica.
Die Telesinfonie des Amerikaners Golan Levin, der aus 200 Handybenützern
ein interaktives Orchester formieren wird, gehört da ebenso dazu, wie die
Installation auf dem Linzer Hauptplatz. Ein riesiges Transparent an der
Kunstuni, die dieses Jahr als Kooperationspartner der Ars Electronica
gewonnen werden konnte, stellt die Fragen aller Fragen: "Was ist daran
'Kunst'?" Wer den Kunstcharakter dieser Arbeit bezweifelt wird angehalten,
eine Telefonnummer zu wählen und aktiviert damit ein Katapult, das einen
Farbbeutel auf das Transparent wirft. Und schon sind die Skeptiker selbst
Teil der Schöpfung. Wem das zu interaktiv ist, dem oder der serviert das Duo Wolfgang
Muthspiel, Hans Hoffer zum Ars-Auftakt am 1. September die Klangwolke im
Brucknerpark. Link: Ars
Electronica 2001 Tipp:
TAKEOVER - wer macht die Kunst von morgen, Linz, 1. bis 6. September. | ||||||||