Salzburger Nachrichten am 26. Februar 2003 - Bereich: kultur
Zwei Amerikaner als Zeichner

Galerie Zell am See zeigt Arbeiten von Barry Le Va und Terry Winters

Der Bildhauer Barry Le Va (geb. 1941) und der Maler Terry Winters (geb. 1949) erachten die Zeichnung in ihrem Werk als zentrale schöpferische Kraft. Le Va denkt räumlich und zeichnet diagrammatisch. Seine Zeichnungen sind architektonischen Grundrissen oder Landkarten verwandt. Für Winters wie für Le Va ist Zeichnen sowohl eine Art des Denkens als auch ein System der Visualisierung. Auf dem Weg über die zeichnende Hand wird die haptische Vorstellung des Malers aktiviert. Zeichnung gilt Winters als Prototyp, ist gewissermaßen der erste Augenblick, in welchem er das Bild sieht. In jener unnachahmlichen spielerischen Verbindung von Erfinden und Erproben benutzt Winters Zeichnung als abstraktes System für die Konstruktion von Bildern.

Die Zeichnungen beider Künstler enthüllen verborgene Flächenpläne und Strukturen wie lineare Organismen jenseits des Sichtbaren. Deren virtuelle Kraft und deren hoher ästhetischer Rang markieren jeweils bedeutende Positionen innerhalb der Zeichenkunst der Gegenwart.

Von Mai bis August wird der Zeichner Winters erstmals in einer Museumsschau in Europa in Münchens neuer "Pinakothek der Moderne" umfassend gewürdigt werden.

MICHAEL SEMFF

Bis 14. März, Mi.-Fr. 16-18 Uhr und nach tel. Vereinbarung 06542/72 6 65.