Das Netz ist banal

Es ist erstaunlich. Niemand verwendet heute noch ernsthaft das Wort "Cyberculture". Es ist nicht schade um diesen Begriff, denn was er bedeuten sollte, das hat sowieso niemand so genau gewusst.


Etwas Besonderes wird es mit der Cyberculture schon gewesen sein. Etwas, das den frühen virtuellen Bewohnern ein außergewöhnliches Flair verlieh oder eben Kultur.

Als auch in der virtuellen Welt der Alltag in Form von E-Commerce Einzug gehalten hat, geriet der Begriff Cyberculture zusehends in Vergessenheit. Stattdessen spricht man heute lieber von "new economy".

Pixel bleibt Pixel

Im Vergleich zu den frühen 90er Jahren haben es Kultur-Utopisten heute schwerer, ihre Mythen rund um das Netz aufrecht zu erhalten. Dank der vernetzten Computer werde sich der Mensch zu einem höheren Wesen entwickeln. Dank bits and bytes werde die Welt schön und gut. Dachte man. Aber das Leben im Netz ist genauso banal wie das wirkliche Leben.

Keiner der damaligen Hohepriester würde heute ernsthaft das Einkaufen im Supermarkt als besondere Kulturtechnik, als Cyberculture, verkaufen wollen. Dieser Job wurde ihnen von den Marketingabteilungen abgenommen. Zugegebenermaßen ist es eine Zeit lang auch spannend, Stunden lang im Netz zu navigieren, aber nach unzähligen bunten Pixeln, Systemabstürzen und blinkenden Icons wird es zunehmend schwerer, dabei noch ein gewisses Kribbeln zu empfinden.

Allerdings gibt man die Hoffnung nicht auf, auch im Netz wieder etwas Neues zu entdecken...

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