Salzburger Nachrichten am 18. April 2005 - Bereich: kultur
KUNST

Die Galerientage

in Graz sind

in den vergangenen sieben Jahren zu einer Institution gereift. Unter dem Titel "aktuelle kunst in graz" servieren 19 Ausstellungshäuser ein vielfältiges Menü ohne jegliche thematische oder inhaltliche Klammer. Im Kulturzentrum bei den Minoriten lädt die Otto-Mauer-Preisträgerin Esther Stocker zu einer Begegnung mit den von ihr kreierten Ordnungssystemen. Striche, Flächen, zeichenhafte Strukturen, eine strenge Rasterung in Schwarz und Weiß gliedert ganze Räume.

Im Priesterseminar

ist der Salzburger Künstler Hanns Kunitzberger mit seinen scheinbar monochromen und abstrakten Bildern zu Gast. "Abbild und Bildnis" lautet der Titel der Personale, die schlichte und doch komplexe Malerei präsentiert. Schicht um Schicht gemalt, verlieren die Figurendarstellungen ihre Konturen, lösen sich auf in einen zähen Farbstrom. Die ursprünglichen Abbildungen wollen erahnt, entdeckt werden, verlangen dabei aber nach Zeit. Auf Holzbänken sitzend, können die Besucher die Wiederkehr der Langsamkeit erfahren. Mit seinen abwesenden Objekten attackiert der aus der Theaterwelt kommende Kunitzberger die grassierende Kultur der Oberflächlichkeit.

In der Galerie

Schafschetzy "zeichnet" der steirische Künstler Kurt Stadler mit dem Mond. Aus dem Handgelenk geschüttelte Bewegungen werden über das Medium der Digitalfotografie zu Lichtspuren am Nachthimmel. Dunkle, zerstörerische Kräfte hingegen bei den Werken von Andreas Hofer in der Galerie Bleich-Rossi: Der 43-jährige deutsche Künstler surft lustvoll durch apokalyptische Szenerien, zwischen Grabsteinen, Vampir-Bildnissen und comichaften Endzeit-Rittern blitzt ein vieldeutiges, von Ironie durchzogenes Weltbild auf. Und im Grazer Kunstverein beschäftigt sich der junge Grazer Andreas Fogarasi mit "Branding"-Methoden in der Warenwelt. Von der Wachauer Marille bis zum Gailtaler Speck: Fogarasi stellt die Frage, wie Produkte, Landschaften oder Städte zu "Bildern" werden können. m. b.