„Die Presse“: Das Museum Moderner Kunst (Mumok) übernimmt die Räume der Kunsthalle im Museumsquartier, Sie bekommen für Ihre Ausstellungen das Künstlerhaus am Karlsplatz: Alles wäre gut, nur Gerald Matt will nicht.
Gerald Matt: Es ist schön, Anträge zu bekommen, noch schöner ist es, einen Korb zu geben. Diese Vorschläge und Ideen haben keine konkrete Basis. Ja, sowohl das Museum Moderner Kunst als auch die Kunsthalle haben Bedarf an Erweiterung. Ich will mich aber nicht mit dem Problem des Mumok befassen, dort wurden verschiedene Pläne vorgelegt, die von der Donauplatte über die Rinderhallen bis hin jetzt zu unserem Gebäude im MQ reichen. Da scheint beim Mumok noch wenig klar zu sein, was sie eigentlich brauchen, und das Leopold-Museum wollen sie auch dazu, das ist doch alles unausgegoren! Und es ist zum Glück nicht Problem der Kunsthalle und der Stadt Wien. Über den Standort der Kunsthalle entscheiden wir alleine. Und da macht das Mumok die Rechnung ohne den Wirt. Also ohne den Verein im Künstlerhaus.
Aber was will denn Gerald Matt?
Matt: Wir fühlen uns im Museumsquartier wohl. Eine Museumslandschaft braucht Kontinuität. Das ist kein Verschubbahnhof, wo man Einheiten einfach hin- und herschieben kann. Da muss man vorher genau nachdenken, was entstehen könnte. Ein Auszug würde die Musealisierung des MQ bedeuten, letztlich weniger Vitalität. Wenn Sie mich fragen, was ich will: Wenn man uns zentrale Lage, Alleinstellungsmerkmal, zeitgenössische Architektur und erweiterte Flächen bietet, dann prüfen wir. Aber wer würde das nicht.
Warum sind sich alle Museumsdirektoren zu gut, um über den Standort auf der Platte nachzudenken? Nicht nur der Wiener Bürgermeister hätte gerne eine Lösung dafür.
Matt: Das Mumok hat diese Platte schon angesprochen. Auf der Donauplatte geht es natürlich um eine Belebung, um eine Zeichensetzung. Ich erinnere aber an die Guggenheim-Studie: Selbst für das internationale Museum Guggenheim wäre ein zentraler Standort vorgezogen worden. Man braucht eine populäre Lösung, die für entsprechendes Publikumsaufkommen sorgt. Dafür ist zeitgenössische Kunst, die ein relativ enges Publikumssegment anspricht, nicht geeignet. Ein Museum Moderner Kunst mit stark popularisiertem Ausstellungsprogramm allerdings wäre denkbar.
Aber eine echte große Kunsthalle wäre dort doch viel sinnvoller. Im Museumsquartier sieht Sie doch keiner.
Matt: Die Besucher sehen uns sehr wohl. Unsere zeitgenössischen Projekte sind kontroversiell und fallen immer auf. Die Kunsthalle ist das zentrale Haus im MQ und dessen zeitgenössischer Stachel. Die Winterreithalle wurde zum Signet, eine wunderbare Symbiose von 19.Jahrhundert und zeitgenössischer Architektur. Das kommt sehr gut an. Das zeigen alle Umfragen und auch die Besucherzahlen.
Dann mag der Besucher das Künstlerhaus auch.
Matt: Man kann nicht auf dem Rücken der Künstlerschaft solche Debatten führen. Da gilt mein Respekt dem Künstlerhaus, ein Haus mit großer Tradition, dessen Schicksal nicht auf Zuruf des Mumok entschieden wird. Was die Kunsthalle angeht, verfügen wir über 7000 Quadratmeter, das Künstlerhaus hat 4000. Also was soll das Gerede. Natürlich hat das Haus auch Probleme: Ein Ausstellungshaus für das 19.Jahrhundert, als es noch kaum andere Ausstellungshäuser in Wien gab, ist dabei, eine neue Identität für das 21.Jahrhundert finden. Da stehen wir auch gerne mit unserer Expertise zur Verfügung, aber für ein „unfriendly take-over“ sind wir nicht zu haben.
Benötigt die Stadt nicht dringend eine echte Museumsordnung? Die zuständige Ministerin Schmied will nun erste Details nennen.
EMatt: Die Wiener Institutionen sind klar profiliert, so ist die Kunsthalle ein Schaufenster für internationale künstlerische Entwicklungen, weder Künstlerverein noch Museum, sondern ein vitaler Kommunikator künstlerischer Ideen und Lebenswelten. Was die unklaren Profile der Bundesmuseen angeht, klar gibt es da noch viel zu schärfen und Parallelaktionen vom Mumok über das Obere Belvedere bis zur Albertina. Da gibt es zu viel Ähnliches in Wien. Da mache ich mir zwar Gedanken, aber im Moment ist es mir wichtiger, Berlin beim Bau einer neuen Kunsthalle zu beraten.
Man sagt Ihnen nach, Sie würden sich für die Nachfolge im Mumok interessieren. Jung genug wären Sie.
Matt: Man hat mir schon sehr vieles nachgesagt, aber danke für das Kompliment. So wie sich die Kunsthalle zur Zeit im MQ wohlfühlt, fühle ich mich in der Kunsthalle wohl. Über Veränderungen denke ich nicht nach.
Eine schöne Politikerantwort.
Matt: Schauen Sie, jede neue Aufgabe ist an Bedingungen zu knüpfen. Man muss für die Häuser, für die man arbeitet, etwas wollen. Solange die Kunsthalle mir die Möglichkeit bietet, ein spannendes Programm zu machen, bleibe ich. Und ob Sie es hören wollen oder nicht: die Kunsthalle auch im MQ.
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