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01.02.2002 - Kultur News
Die Seele des Alltags im Kunstobjektiv
Inge Morath, die berühmteste österreichische Photo-Künstlerin, starb am Mittwoch im Alter von 78 Jahren in New York.


Ihre Photos gingen um die ganze Welt: Eine Dame in Pelzmantel und Hut in ihrem Automobil, der uniformierte Chauffeur wartet auf der Straße, reduziert auf ein Requisit. Entlarvender Augenblick der Klassengesellschaft, festgehalten auf Polaroid 1953, ohne zu werten, ohne zu urteilen. Audrey Hepburn mit verschränkten Armen vor einer kahlen Wand. Den Blick gesenkt. Der Kopf eines Lamas, der mitten im Verkehrsgewühl von New York aus einem Auto ragt.

Aufnahmen, zärtlich, intim und doch ohne Sentimentalität, ohne Pathos. Die Photographin hieß Inge Morath. Am Mittwoch wurde sie mit 78 Jahren mitten aus ihrer Arbeit gerissen: Die gebürtige Grazerin, die erste Gewinnerin des Österreichischen Staatspreises für Photographie, starb in einem Krankenhaus in New York. Sie hatte eine Bilderserie über die privaten Gedenkstätten der Opfer des 11. September in Arbeit.

Das alltägliche Leben und der Mensch waren Moraths Lieblingsmotive. Als Mitglied der renommierten Photoagentur "Magnum" reiste sie durch die Welt, fing die Seele von Ländern wie China, Spanien, Rußland in ihren Aufnahmen ein. Ihr Schlüssel zu den Kulturen war die Sprache: Sie sprach acht verschiedene. Bei ihrer Arbeit lernte sie auch den Dramatiker Arthur Miller kennen, mit dem sie, seit 1962 verheiratet, in den USA lebte. Ihre Reportage über die Dreharbeiten an seinem Film "Misfits", mit Marilyn Monroe, wurde eine ihrer berühmtesten.

Über dreißig Bildbände von Moraths Arbeiten, von denen vier der österreichische Verleger Kurt Kaindl herausgab, haben ihr schon zu Lebzeiten ein Denkmal gesetzt. Moraths berühmter Lehrer war der Franzose Henri Cartier-Bresson, Gründungsmitglied der legendären Photoagentur "Magnum", der Morath seit 1953 als Vollmitglied angehörte.

Die Photographie wurde zu ihrer eindrücklichen künstlerischen Sprache, eine "seltsame Sache", über die sie sagte: "Man traut seinem Auge und entblößt seine Seele." sp



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