| Salzburger Nachrichten am 08. November 2004 - Bereich: kultur
Kleine Träume, große Illusionen "Le Droit de Rêve - Das
Recht zum Träumen", heißt eine Ausstellung in der Salzburger Galerie
Academia
Gudrun WeinzierlSalzburg (SN). Ein gutes Dutzend Künstler, die in
Spanien, Portugal, Italien auf Anhieb Museen und Kunsthallen erobert
haben, zu den Arrivierten oder zu einer neuen Generation gehören, gibt
sich bis 18. November bei Mario Mauroner in der Galerie Academia in
Salzburg banalen kleinen Träumen wie großen Illusionen hin. Balthasar Torres wehrt sich in seiner Malerei gegen die
Austauschbarkeit unwirtlicher, uniformer Großstädte, indem er bizarre
Individuen ihren ganz eigenen Verrichtungen nachgehen, sie etwa ihre
kleine eigenständige Welt auf Balkonen erschaffen lässt. Dem Spanier
Torres wird Anfang 2005 bei Mauroner auch eine Personale gewidmet sein.
Pedro Calapez aus Portugal, der zurzeit eine Ausstellung in der Gulbenkian
Foundation in Lissabon hat, holt seine Eindrücke aus der Natur und erlöst
seine geheimen Sehnsüchte in tropischen Visionen und Farbgewittern. Paloma
Navares verknotet in "Sueños o Memoria" Zipfel von Bettwäsche zu einem
Bündel und hält darin Träume und Sehnsüchte, aber auch Schmerz und Lust
verborgen. Intimes wird vor neugierigen Blicken geschützt - auch bei José Maria
Sicilia, der in seinen tongewordenen "Almohadas" den Abdruck der fernen
Geliebten für sich bewahrt. Eva Schlegels "Wolkenhimmel" tröstet über das
größte "Desaster" ihrer jungen Kollegin Karin Frank, die wie Schlegel
ebenfalls Österreicherin ist, hinweg. Der Schweizer Shooting Star Daniele
Buetti stellt mit seiner Lightbox "Does time dance with memories?" eine
entscheidende Frage, um gleich durch "Lara Croft" eine Antwort mit
Gegenfrage servieren zu lassen: "Is reality an illusion?" Seine Arbeiten
sind inszenierte Fotografien, die durch Stanzungen in das Skulpturale
überwechseln. Demnächst mit Jan Fabre Expansion nach Wien Kein Traum, sondern
Wirklichkeit ist für Mauroner die Expansion seiner Galerie nach Wien. Im
Palais der Grafen Abensberg-Traun hat das Architekturbüro
Kaschl/Mühlfellner Räume auf 620 Quadratmetern und zwei Geschossen für
Ausstellungen adaptiert. An diesem Standort in der Weihburggasse 26 wird
am 12. November mit einer Personale Jan Fabre die erste Ausstellung
eröffnet. Der Flame, dessen Dauerthema das Blut ist, erarbeitet unter dem
Titel "Sanguis/Mantis" diese Ausstellung exklusiv für Mauroners Wiener
Galerie. Warum expandiert Mauroner nach über dreißigjähriger Präsenz in der
Salzburger Residenz nach Wien? "Salzburg hat wohl gute Voraussetzungen,
wir merken aber heute, dass im Sinne einer geistigen Beweglichkeit, in der
Neugier auf Kunst, ein schmerzlicher Wandel eingetreten ist", sagt
Mauroner. In Wien ortet er eine verjüngte, lebendige Szene und, nicht
zuletzt dank des Museumsquartiers als einer der größten
Museumslandschaften Europas, eine große Zukunft, speziell auch als Trias
mit Prag und Budapest. |